Als Frau allein in Brasilien

Als Frau allein in Brasilien

Zuckerhut, Dschungelfeeling und Poimplantate: zwei Monate als Frau allein in Brasilien. Daniela von flipflopwetter hat während ihrer einjährigen Weltreise einige Wochen in diesem riesigen Land verbracht. Dass Brasilien und vor allem Rio de Janeiro nicht unbedingt für seine (Reise-)Sicherheit und Wertschätzung Frauen gegenüber bekannt ist, ist kein Geheimnis. Wie Daniela dies empfunden hat und welche Tipps sie allein reisenden Frauen in Lateinamerika geben kann, verrät sie uns im Interview:

 

Als Frau allein in Brasilien - Rio de Janeiro

Als Frau allein in Brasilien – Rio de Janeiro

1. Was hat Dich nach Brasilien geführt? Welche Orte/Regionen hast Du besucht?


Mich hat die Lebenslust der Brasilianer schon lange fasziniert und ich wollte dieses riesige Land einmal mit eigenen Augen sehen. So verbrachte ich während meiner einjährigen Weltreise einige Wochen in Florianópolis, Foz do Iguacu, Sao Paulo, Manaus, Jericoacoara und Rio de Janeiro.

2. Wie lange warst Du dort und wie bist du gereist (Bus, Bahn, Taxi, privater Fahrer, Flugzeug etc)?

Ich war insgesamt 2 Monate in Brasilien. Ich bin einige längere Strecken mit dem Fernbus gefahren (z.B. von Foz do Iguacu nach Sao Paulo). Ich habe durchwegs positive Erfahrungen mit den brasilianischen Bussen gemacht. Die länger im Voraus geplanten Abschnitte meiner Reise habe ich mit dem Flugzeug zurück gelegt (Sao Paulo nach Manaus, Manaus nach Fortaleza und Fortaleza nach Rio). Für eine abgelegene Strecke im Norden des Landes habe ich mir dann auch mal einen privaten Fahrer engagiert. In den Großstädten war ich meist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

3. Wie/wo hast du übernachtet und wie hast du deine Wertsachen gesichert (sowohl nachts als auch tagsüber)?

Ich habe größtenteils in Schlafsälen in Hostels übernachtet. Einmal auch bei Freunden und zweimal habe ich ein Zimmer über AirBnB gebucht. In den Hostels gab es immer für jeden Gast ein abschließbares Fach für die Wertsachen, da hab ich alle meine Wertgegenstände Tag und Nacht drin gehabt, wenn ich sie nicht unterwegs dabei hatte. In den AirBnB-Unterkünften hatte ich die Sachen einfach in meinem Zimmer.

4. Brasilien war leider in der letzten Zeit viel in den Schlagzeilen mit Vergewaltigungen und Gewalt an Frauen. Konntest Du davon etwas bemerken, hast Du Gewalt an Einheimischen oder Touristinnen beobachtet? Gab es Momente oder Situationen, in denen Du dich unsicher/unwohl gefühlt hast und wenn ja, wann und wo?


Ich habe glücklicherweise weder Gewalt an Frauen mitbekommen noch selbst erleben müssen. Generell habe ich mich meist auch sehr sicher gefühlt. Ich habe mich in den Großstädten teils etwas unwohl gefühlt, wenn ich an Plätzen war, die bekannt für Taschendiebe oder ähnliches waren, aber ich war immer nur tagsüber dort, wenn die Plätze belebt waren, und nicht nachts.

Amazonas

Amazonas

5. Hast du irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wie z.B. einen Selbstverteidigungskurs, besondere Safety Items in deinem Gepäck, Dokumentensicherung etc. und wenn ja, welche?


Ich habe 14 Jahre Karate gemacht, das gibt mir sicherlich ein selbstbewussteres Auftreten als anderen Frauen. Allerdings glaube ich, dass mir das auch nicht viel helfen würde, wenn eine Gruppe Männer mich ausrauben wollte. Deswegen frage ich in den Hostels immer, welche Gebiete eher unsicher sind und zu welchen Zeiten man dort nicht hingehen sollte. Außerdem versuche ich, mich anderen Reisenden anzuschließen, wenn es in solche Gebiete geht, und nicht alleine dort rumzulaufen.

Ich habe schon einige Erfahrung mit dem Reisen in lateinamerikanischen Ländern. Klar gibt es in Brasilien gefährliche Gebiete, in die man als Frau oder auch generell als Ausländer nicht gehen sollte,  das erfährt man aber immer vor Ort von den Einheimischen. Und dann gehe ich da auch nicht hin. Außerdem gibt es eine Reihe von Techniken, die man anwenden sollte, um seine Sicherheit zu erhöhen:

 

– Ich lasse meinen Rucksack nie unbeaufsichtigt. Wenn ich ihn irgendwo abstelle, dann immer mit einem Arm oder Bein durch die Träger.

– Auf dem Gehsteig trage ich meine Tasche möglichst auf der der Straße abgewandten Seite, um ein Entreißen von einem Motorrad aus zu verhindern. Passiert aber eher in Asien als in Südamerika.

– Man sollte sich nicht ablenken lassen, immer darauf achten, was um einen herum vorgeht und zum Beispiel nicht vor lauter Sehenswürdigkeit bewundern nicht auf Taschendiebe achten. Auch extrem dumm: seine dicke Canon oder Nikon Spiegelreflexkamera mit einem Gurt um den Hals tragen. Besonders, wenn auch hinten auf dem Träger das Markenlogo prangt. Ist quasi eine Einladung für Taschendiebe.

– In großen Menschenmengen trage ich meinen Rucksack vor meinem Bauch und habe meinen Reißverschluss mit einem Karabiner verschlossen.

– Einige Stadtviertel sind einfach Tabu, vor allem nachts.

– Ich nehme nur kleine Geldmengen mit und lasse den Rest in meinem Schließfach im Hostel.

– Schmuck habe ich eh keinen dabei, genau aus dem Grund, weil große Klunker vermuten lassen, dass da noch mehr zu holen ist. Außerdem ist das auch viel zu schwer.

– Einer anderen Backpackerin wurde das Handy aus der Handtasche geklaut, die sie über ihren Stuhl im Restaurant gehängt hatte. Die Tasche sollte immer im Blickfeld sein.

– Aber auch Backpacker klauen, also muss man auch im Hostel aufpassen. Ich suche mir Hostels wenn möglich danach aus, dass sie Schließfächer im Zimmer haben und lasse nichts Wertvolles im Zimmer herumliegen.

– Ich habe eine Trillerpfeife im Gepäck, nur für den Notfall

 

Jericoacoara

Jericoacoara

6. Gibt es besondere Hotspots für digitale Nomaden/ortsunabhängig arbeitende Menschen abseits der Großstädte?

Jericoacoara ist auf jeden Fall ein Hotspot für digitale Nomaden, vor allem für solche, die sich fürs Kitesurfen oder Windsurfen interessieren. Aber auch Florianópolis ist beliebt bei einigen ortsunabhängig Arbeitenden.

7. Was für Möglichkeiten haben Touristen, eine permanente Internetverbindung für Laptop & Smartphone (außerhalb öffentlichen WiFis) zu bekommen? Wie hoch sind die Kosten?

Ich selbst habe immer nur die öffentlichen Wifis, vor allem in den Hostels, genutzt. Ich habe gehört, dass es in Brasilien sehr schwierig sein soll, eine lokale SIM-Karte zu kaufen, wenn man keine brasilianische Steuernummer hat. Generell hat es bei mir aber auch gut ohne funktioniert.

 

8. Was schätzt du ganz besonders an Brasilien und was findest du ganz furchtbar?

An Brasilien mag ich besonders die Lebensfreude der Menschen. Ein Großteil des Lebens spielt sich draußen und, wenn verfügbar, oft auch am Strand ab.

Im Gegensatz dazu bin ich kein großer Fan von Schönheits-Operationen. Und die sind sehr beliebt in Brasilien, vor allem Brustvergrößerungen und Poimplantate. Für mich sind gerade letztere sehr gewöhnungsbedürftig.

 

Foz do Iguazu

Foz do Iguazu

9. Welche Tipps würdest Du einer allein reisenden Frau geben, die zum ersten Mal nach Brasilien reist?

Erstmal: ruhig bleiben, es ist alles halb so wild wie dir einige deiner Freunde (die allesamt noch nicht in Brasilien waren) weismachen wollen. Dann solltest du die Sicherheitsaspekte, über die ich weiter oben gesprochen habe, beherzigen. Und dann kannst du einfach geniessen, denn alleine zu reisen ist etwas ganz tolles! Ich möchte die Erfahrungen, die ich als Alleinreisende gemacht habe, nicht mehr missen. Man lernt vor allem etwas über sich selbst.

 

10. Auf einer Skala von 1 (unsicher) bis 5 (sehr sicher) – wie würdest Du Brasilien einstufen in puncto Reisesicherheit/Gewalt/Kriminalität gegenüber weiblichen Touristen? Bitte begründe Deine Einschätzung.

Ich finde so eine pauschale Einschätzung schwierig, denn die Sicherheit hängt total von der Region ab, in der man sich aufhält und ob es eine Großstadt oder ein Fischerdorf ist. Aber so über einen Kamm geschoren würde ich eine 3 vergeben. Man sollte einfach gut aufpassen und nicht jedem trauen.

 

11. Ich nenne Dir ein paar Schlagworte und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt:

Kosten für Unterkunft/Verpflegung —> günstiger als in Europa, teurer als in Asien

Infrastruktur —> riesiges Land, sehr lange Wege, in den Großstädten gutes öffentliches Verkehrsnetz

Tourismus —> Geldmaschine

Ortsunabhängiges Arbeiten —> ist nicht nur mit dem Laptop am Strand sitzen und Cocktails schlürfen 😉

Gastfreundschaft —> in Brasilien sehr groß

 

foto-ich-mit-laptop-lemnosÜber Daniela

Ich bin Daniela und schreibe auf flipflopwetter.de über Reisen und Nachhaltigkeit. Im speziellen geht es dabei um Zero Waste, also Müllvermeidung, eine vegane Ernährung und Minimalismus. Ich möchte mit meinem Blog Menschen dazu inspirieren, durch Reisen ihren Horizont zu erweitern und mehr über ihren Konsum nachzudenken. Im besten Fall finden sie auf meiner Seite Anregungen, die sie selbst umsetzen können.

Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich 5 Jahre bei einem großen Spielwarenhersteller im Marketing gearbeitet. Nachdem ich gekündigt hatte, habe ich mir einen langjährigen Traum erfüllt und bin ein Jahr um die Welt gereist.

 

 

 

Mango Verde interviewt im Rahmen der „Als Frau allein reisen“ Reihe allein reisende Frauen in allen Ländern dieser Welt. Du möchtest gern dabei sein und deine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten teilen? Schreibe mir eine Email!

Habt ihr Fragen, Anregungen oder eigene Erfahrungen, die ihr gern loswerden würdet? Rein damit in die Kommentare!

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Showing 4 comments
  • Henrike
    Antworten

    Nach der Silvesternacht in Köln muss jede Frau sich über die Selbstverteidigung Gedanken machen. Insbesondere wenn man noch gerne reist in die Länder, wo es für eine Frau unsicher sein kann

    • Mangoverde
      Antworten

      Hallo Henrike,
      ja, da stimme ich Dir leider zu – traurig, aber wahr.

      LG Vivien

  • Daisy
    Antworten

    Hallo,

    Schöne Webseite! Finde es großartig, dass du Reisen mit Selbstverteidigung für Frauen verbindest. Noch viel zu wenig Frauen erkennen, wie nützlich Kampfsport sein kann – Zeit das zu verändern :)

    Liebe Grüße,

    Daisy

    • Mangoverde
      Antworten

      Hallo Daisy,
      ja, das stimmt :-) Ich würde mich freuen, wenn wir uns mal treffen.

      LG
      Vivien

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