Als Frau allein in Costa Rica

Als Frau allein in Costa Rica

Pura Vida in Costa Rica! Weite Täler, steile Gebirgsketten, aktive Vulkane, geschützter Regenwald und weitläufige Karibikstrände – kaum ein Land bietet eine so vielfältige und reichhaltige Tier- und Pflanzenvielfalt. Faultiere, Tukane, Papageien und bunte Frösche und leuchtend bunte Blüten blühen zwischen Baumriesen. Die UNESCO hat einige der Nationalparks wegen ihrer einzigartigen Ökosysteme zum Weltnaturerbe ernannt. Anja war als Frau allein in Costa Rica unterwegs und lässt uns an ihren einzigartigen Erfahrungen teilhaben.

 

IMG_09671. Was hat Dich nach Costa Rica geführt? Welche Regionen/Orte hast du bereist?

Nach dem ich die ganzen Jahre immer nach Osten (also Asien, Australien, Neuseeland) gereist bin, habe ich beschlossen, dass ich auch mal nach Westen fliegen muss. Aber nur wohin? Südamerika schied für mich wegen der Flugpreise und der nur 2,5 Wochen kurzen Zeit aus. Mittelamerika selber stand schon immer auf meinem Plan und ich hatte die Wahl zwischen Panama und Costa Rica. Warum nur diese beiden Länder wird man sich jetzt bestimmt fragen? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Mein Bauchgefühl hat mir gesagt, wenn Du das erste Mal nach Westen fliegst, dann soll es eines der beiden Länder werden. Da schon einige meiner Freunde in Costa Rica waren, ich einiges an Bilder gesehen habe und es liebe, Tiere in freier Wildbahn zu erleben, habe ich mich letztendlich für Costa Rica entschieden. Wie ich später feststellen musste – eine sehr gute Wahl!

Meine Reiseroute sah wie folgt aus:

Nach meiner Ankunft in San Jose bin ich an die Ostküste nach Cahuita und Manzanillo gefahren. Von dort aus ging es dann nach Tortuguero in den Norden der Ostküste. Danach bin ich nach Puerto Jimenez an der Westküste geflogen und habe eine Wanderung durch den Corcovado gemacht. Anschließend bin ich nach Mal País auf der Halbinsel Nicoya gereist und am Ende ging es mit Bus und Fähre wieder zurück nach San Jose und nach Hause.

2. Wie lange warst Du dort und wie bist du gereist (Bus, Bahn, Taxi, privater Fahrer, Flugzeug etc)?

Ich war insgesamt 2,5 Wochen dort und bin anfänglich mit einem privaten Fahrzeug gefahren, dann mit Nature Air geflogen (was eine spezielle Erfahrung ist, da die Maschinen ziemlich klein und wacklig sind 😉 ) und danach mit öffentlichen Bussen und der Fähre gereist.

3. Wie/wo hast du übernachtet und wie hast du deine Wertsachen gesichert (sowohl nachts als auch tagsüber)?

Ich habe vorrangig in Cabinas und im Hostel übernachtet. Wenn ein Schließfach da war, was glücklicher Weise in den Hostels, wo ich übernachtet habe, vorhanden war, habe ich meine Sachen dort eingeschlossen. Wenn das nicht vorhanden war, habe ich sie mitgenommen. In den Cabinas habe ich ein bisschen drauf vertraut, dass meine Sachen sicher sind und wurde diesbezüglich auch nicht enttäuscht. In Hostels wo kein Schließfach ist, nehme ich immer meine Handtasche mit Geld, Pass und Kamera mit ins Bett und stelle sie an mein Kopfende. Mag vielleicht komisch sein, aber fühlt sich für mich sicherer an.

4. Gab es Momente oder Situationen, in denen Du dich unsicher/unwohl gefühlt hast und wenn ja, wann und wo?

Nein, es gab nicht einmal einen Moment, wo ich das Gefühl hatte, dass ich mich unwohl oder unsicher fühlen musste.

IMG_08485. Hast du irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wie z.B. ein Selbstverteidigungskurs, besondere Safety Items in deinem Gepäck, Dokumentensicherung etc. und wenn ja, welche?

Ich habe immer meine Dokumente in Kopie mit. Eine Ausfertigung lasse ich in meinem großen Rucksack und die Originale hab ich meistens an der Frau oder im Schließfach. Darüber hinaus, habe ich meine Unterlagen auch noch einmal in meiner Dropbox hochgeladen, so dass ich dort auch rankomme, sollten sie mal gestohlen werden. Ich habe zwei Kreditkarten. Eine trage ich immer bei mir und die andere verstecke in der Unterkunft.

Ansonsten habe ich nichts bei mir. Ich vertraue immer drauf, dass die Menschen mit mir genau so respektvoll umgehen, wie ich mit ihnen. Bis jetzt hat das auch immer gut geklappt und ich habe keine schlechten Erfahrungen gemacht. Natürlich gibt es ein paar Regeln an die auch ich mich versuche zu halten. So meide ich Nachts dunkle, einsame Ecken, versuche meine Flieger so zu buchen, dass ich nicht erst Mitternachts irgendwo lande und trage meine Wertsachen immer so bei mir, dass es keiner sieht. Früher habe ich meine Geld immer in Bauchgürteln bzw. Brusttaschen mit mir rumgetragen, aber das habe ich irgendwann als ziemlichen Quatsch und darüber hinaus auch als sehr unbequem empfunden. So lange ich auf meine Tasche aufpasse, wo auch meistens meine Kamera drin ist, ist mein Geld auch sicher.

6. Costa Rica – Pura Vida! Empfindest Du es generell unsicher, dich als Frau allein durch Costa Rica zu bewegen? Worauf sollte frau achten?

Also wie erwähnt, ich habe mich als Frau alleine in Costa Rica nie unsicher oder bedroht gefühlt. Eher im Gegenteil. Die Menschen dort sind sehr freundlich und offen und an einem Gespräch interessiert. Ja, auch dort (und auf Grund der Latino-Mentalität gerade dort) pfeifen die Männer einer Frau hinterher (bevorzugt, wenn Sie blond ist, so wie ich), aber das kann man gekonnt ignorieren und dann ist auch schon Ruhe. Aber sind wir mal ehrlich? Ist das in Deutschland nicht auch so? Darüber hinaus, habe ich habe auch wirklich nette Menschen (Einheimische und Touristen) in Costa Rica kennengelernt und lustige Abende mit ihnen verbraucht. Wir haben uns unterhalten und interessante Gespräche geführt, danach ist jeder seiner Wege gegangen. Da war kein Platz um sich unwohl zu fühlen.

7. Hast du selbst Gewalt/Belästigungen gegenüber Frauen beobachtet, Einheimische oder Touristinnen?

Nein, glücklicherweise habe ich davon nichts mitbekommen.

IMG_08288. Was schätzt du ganz besonders an Costa Rica und was findest du ganz furchtbar?

Was schätze ich an Costa Rica?

– die Tierwelt: für mich ist Costa Rica einer der größten Zoo’s der Welt, in dem man Tiere in freier Wildbahn beobachten kann – das fand ich unglaublich faszinierend. Meine Highlights waren: die Tapire im Corcovado, die Riesenschildkröte in Manzanillo und das erste Mal einen Brüllaffen hören und im Anschluss sehen. Stimme und Größe passen da auf keinen Fall zusammen! 😉

– die Menschen: sie sind freundlich, nett, offen und hilfsbereit

– die Sauberkeit: in Costa Rica wird kein Geld ins Militär gesteckt (sie haben einfach keine Armee), dafür viel in Bildung und Sauberkeit. Das merkt man dem Land an.

Was fand ich furchtbar?

– das Bussystem:  Wer mit den öffentlichen Bussen in Costa Rica reisen will, muss viel Zeit einplanen und fast jede Tour geht immer erstmal über San Jose. Wenn man nicht viel Zeit hat, sollte man sich ernsthaft überlegen, einen Mietwagen zu nehmen oder mit dem Flieger zu fliegen.

IMG_10729. Welche Tipps würdest Du einer allein reisenden Frau geben, die zum ersten Mal nach Costa Rica reist?

Sei offen und freu Dich, dass Du so ein tolles Land entdecken darfst. Halte Dich an Sicherheitsregeln, wie Du sie auch in anderen Länder benutzen würdest (Nachts nicht alleine in dunklen Gegenden, Wertsachen verdecken ect. ). Dann kann Dir in Costa Rica ziemlich wenig passieren und Du wirst eine wunderschöne und erlebnisreiche Zeit dort haben.

Immer ein kleines Schloss für ein Schließfach mit im Rucksack haben.

 

10. Auf einer Skala von 1 (unsicher) bis 5 (sehr sicher) – wie würdest Du Costa Rica einstufen in puncto Reisesicherheit/Gewalt/Kriminalität gegenüber weiblichen Touristen? 

Ich würde Costa Rica eine 4 geben, da ich wie gesagt, dort keine schlechten Erfahrungen gemacht habe und auch nichts von anderen Frauen gehört habe, die dort alleine gereist sind. Ich möchte damit aber nicht sagen, dass es dort keine Gewalt und Kriminalität gibt. Wie in andern Ländern halt auch.

11. Ich nenne Dir ein paar Schlagworte und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt:

Kosten Unterkunft – vergleichsweise teuer
Lebensqualität – höher als in anderen mittelamerikanischen Ländern
Öffentliche Toiletten & Campingplätze – kann mich nicht erinnern öffentliche Toiletten gesehen zu haben. Camping ist in Costa Rica tatsächlich an der Ostküste unter den Einheimischen weit verbreitet, aber das findet eher am Strand statt. Ich kann mich nicht entsinnen, öffentliche Campingplätze gesehen zu haben.

Essen & Magenverstimmung –  tja, es gibt halt viel mit Bohnen, das muss man mögen…ich hatte keine Magenverstimmung in Costa Rica, bin bei sowas aber auch nicht sehr empfindlich

Hotpants – in Costa Rica kannst Du (zumindest in den Gebieten wo ich war) anziehen was Du willst. Hotpants bzw. enge kurze Hosen werden, vor allem an der Ostküste, auch gerne von den einheimischen Frauen getragen und das meistens eine Nummer zu klein. 😉 Sollte man sich aber abseits jeglicher Touristenfade bewegen, wäre ich immer dafür nicht gerade die kürzeste Hose und ein zu knappes Top zu tragen.

 

 

IMG_0325Über Anja

Ich bin Anja, 37, selbständige Online Marketing Managerin mit Hang zum digitalen Nomadentum, Weltentdeckerin und leidenschaftliche Alleinreisende. Angefangen hat alles vor 7 Jahren. Mein Traum von einer längeren Auszeit wurde immer größer, ich mit jedem Jahr ein Stück älter und die Chance, jemanden zu finden, der auch ein Jahr raus will und breit ist dafür seinen Job zu kündigen immer geringer. Irgendwann habe ich kapiert, dass ich, wenn ich nicht alleine aufbreche, wohl nie losmachen werden. Tja, also bin ich ins kalte Wasser gesprungen – habe meinen Job gekündigt, meine Wohnung aufgelöst und hab mich auf meine erste Reise als Alleinreisende begeben. Und das, obwohl ich bis dahin eine absolute Sicherheitsfanatikerin war. (Ich glaube, meine Mama hat auch noch bis zum Tag meiner Abreise gehofft, ich würde umkehren. Als sie aber meine Fotos gesehen hat, hat sie nach einem Monat am Telefon zu mir gesagt: „Anja, das ist alles so toll, was Du erlebst, es wäre dumm gewesen, wenn Du nicht losgefahren wärst!“)

Rückblickend war alleine losmachen auch das Beste, was ich tun konnte. Ich habe auf dieser Reise Vietnam, Malaysia, Singapur, Indonesien, Australien und Neuseeland gesehen. Es war eine unglaublich intensive und faszinierende Zeit. Gefühlt war es für mich Glück pur, denn ich war unabhängig und frei. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt und hatte nie wirklich das Gefühl alleine zu sein. Ich habe manchmal drüber nachgedacht, was wohl die Freunde jetzt zu Hause machen, aber Heimweh hatte ich nicht wirklich. Als ich nach einem Jahr wieder zu Hause stand, hatte ich mich unausweichlich mit dem Fernweh- und Soloreisevirus infiziert. Seit dem mache ich immer wieder alleine los und habe es bisher noch nicht einmal bereut.

 

Mango Verde interviewt im Rahmen der „Als Frau allein reisen“ – Reihe allein reisende Frauen in allen Ländern dieser Welt. Du möchtest gern dabei sein und deine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten teilen? Schreibe mir eine Email!

 

Habt ihr Fragen, Anregungen oder eigene Erfahrungen, die ihr gern loswerden würdet? Rein damit in die Kommentare!

 

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