Als Frau allein in der Schweiz

Als Frau allein in der Schweiz

 

Die Schweiz ist allgemein als sehr sicheres Land bekannt – aber auch als sehr teures. Jana Wessendorf von Zufussunterwegs hat ihr Wanderherz an die italienische Schweiz verloren und bereist das Land regelmäßig. Als Bloggerin hat sie einige Tipps bezüglich Wlan-Infrastruktur, CoWorking Spaces und digital nomad Hotspots auf Lager.

 

1. Was hat Dich in die Schweiz geführt? Welche Orte/Regionen hast Du besucht?

Ich besuche regelmässig die italienische Schweiz, das Tessin, an die ich mein Wanderherz verloren habe. Die Region bietet alles, was ich liebe: eine tolle Berglandschaft, viele Seen (unter anderem den Lago Maggiore), idyllische Dörfer, erlebenswerte Städte und – eine tolle einheimische Küche. Bei Polenta und Risotto kann ich einfach nicht nein sagen.

 

2. Wie lange warst Du dort und wie bist du gereist (Bus, Bahn, Taxi, privater Fahrer, Flugzeug etc)?

Ich reise meist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, mit Zug und Bus. Wenn ich von einer Wanderung in den Bergen ins Tal, und somit in die Zivilisation zurückkehre, trampe ich auch schon mal. Meist dann, wenn der nächste Bus erst in ein paar Stunden fährt und ich nicht solange warten mag. Als Frau alleine per Anhalter zu fahren würde ich nicht einfach überall machen. In der Schweiz aber fühle ich mich sicher und habe auch noch nie eine unangenehme Begegnung gehabt.

 

Schweiz23. Wie/wo hast du übernachtet und wie hast du deine Wertsachen gesichert (sowohl nachts als auch tagsüber)?

In den grösseren Städten wie Locarno, Lugano oder Bellinzona üernachte ich in Jugendherbergen, Hostels oder einfachen Hotels. Ansonsten, wenn ich zu Fuss unterwegs bin oder wandere, dann liebe ich Übernachtungen auf Bauernhöfen oder Berghütten.

Die wenigen Wertsachen, die ich dabei habe, wie zum Beispiel Kamera, Portemonnaie und Handy habe ich dann immer direkt bei mir.

Allerdings ist die Schweiz diesbezüglich ein sehr sicheres Reiseland. Ich bin praktisch noch nie ausgeraubt worden und kann man meinen Rucksack auf einer Berghütte auch einfach mal für eine Weile abstellen ohne gleich befürchten zu müssen, dass jemand etwas entwendet.

Das ist Luxus, das ist mir bewusst. Ein Luxus, den ich sehr zu schätzen weiss!

 

4. Gab es Momente oder Situationen, in denen Du dich unsicher/unwohl gefühlt hast und wenn ja, wann und wo?

Ich fühle mich grundsätzlich in grösseren Menschenmassen unwohl. Erst recht, wenn es feucht-fröhlich wird. Dabei spielt es keine Rolle, wo ich mich gerade aufhalte.

Speziell fällt mir keine Situation ein, in der ich mich in der Schweiz unsicher gefühlt habe. Die Schweiz ist ein spürbar sicheres Reiseland.

 

5. Hast du irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wie z.B. einen Selbstverteidigungskurs, besondere Safety Items in deinem Gepäck, Dokumentensicherung etc. und wenn ja, welche?

Nein, nichts dergleichen. Ich habe allerdings immer eine Kopie meines Ausweises tief unten im Rucksack und auch online gespeichert.

Ich bezahle oft mit Karte und habe deswegen auch eher wenig Bargeld bei mir. Das macht es einfacher, da ich für Bargeld dann keine weitere Sicherung brauche. 

Ansonsten gilt: der gesunde Menschenverstand reist immer mit. Auch in der Schweiz. Ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl, wenn es sich meldet.

 

Schweiz16. Wie ist das Arbeiten als digitale Nomadin in der Schweiz, gibt es besondere Hotspots und wenn ja, wo?

Die Schweiz ist eher teuer, das ist ja kein Geheimnis. Aus diesem Grund gibt es hier noch keine derartig grosse Ansammlung von Hotspots für Digitale Nomaden wie zum Beispiel in Deutschland (Berlin) oder anderswo in Europa.

Viele Digitale Nomaden findet man in Zürich, wo es auch erste Coworking Spaces gibt. Sogar ein kostenloses Office, das Büro Züri, mitten an der sündhaft teuren Bahnhofstrasse. 

Es gibt überall in der Schweiz, vor allem natürlich in den Städten, gemütliche Cafés, in denen man sehr gut arbeiten kann. Die WIFI-Infrastruktur ist sehr gut.

Immer mehr entstehen auch Workations in den schönen Schweizer Bergen, wo man Arbeit und Bergvergnügen miteinander verbinden kann. Die Szene wächst …

 

7. Hast du an Großveranstaltungen (Festivals, Sportevents etc.) teilgenommen und hast Du dich dort unwohl gefühlt? Wo und was genau und wenn ja, warum? Gab es besondere Vorfälle?

Ja, ich habe an mehreren Grossveranstaltungen teilgenommen. Ich war mehrere Male am Filmfestival in Locarno, an der Tour de Suisse, bei diversen Grossveranstaltungen in Zürich. Gerade bei Letzteren kann man kaum mehr frei einen Fuss vor den anderen setzen. Obwohl ich mich, wie erwähnt, in solchen Menschenmassen nicht wohl fühle, habe ich mich nicht unsicher gefühlt.

Ganz im Gegenteil, es ist bei diesen Veranstaltungen in der Schweiz immer friedlich geblieben.

Besondere Vorfälle gab es dabei nicht. Sicher aber ein paar kleine Nickligkeiten, wenn zuviel Alkohol im Spiel war. Nichts Gefährliches, nichts, was man nicht durch Ruhigbleiben oder einfach weggehen lösen konnte.

Wenn überhaupt mache ich mir Gedanken, dass ich irgendwann einmal zur falschen Zeit am falschen Ort bin und in einen Terroranschlag gerate.

 

8. Was schätzt du ganz besonders an der Schweiz und was findest du ganz furchtbar?

Ich schätze die Zuverlässigkeit des Öffentlichen Verkehrs, das sichere Gefühl beim Reisen, die hervorragende Infrastruktur, die Freundlichkeit der Menschen.

Ich liebe die Vielfältigkeit in der Schweiz mit ihren vier Sprachen und so unterschiedlichen Kantonen.

Was ich furchtbar finde? Furchtbar ist ein starkes Wort. Furchtbar finde ich eigentlich nichts. Manchmal ärgere ich mich über das Preis-Leistungs-Verhältnis, gerade, wenn man Essen geht und für die hohen Preise nicht immer das bekommt, was man zahlen muss.

 

9. Welche Tipps würdest Du einer allein reisenden Frau geben, die zum ersten Mal in die Schweiz reist?

Sie braucht keine Angst haben, alleine in der Schweiz zu reisen. Auch nicht in den grösseren Städten wie Zürich oder Genf.

Die Menschen im Land sind sehr freundlich und hilfsbereit, wenn um Hilfe bittet oder eine Frage hat.

Wie überall auf der Welt, in jedem Land, gilt es, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Wenn man das tut, ist die Schweiz ein sicheres und nahezu unkompliziertes Reiseland.

 

10. Wie sind deine persönlichen Empfehlungen bezüglich ortsunabhängigem Arbeiten in der Schweiz in einem sicheren Umfeld ohne dabei zwangsläufig in Großstädten festzusitzen?

Die Infrastruktur ist bestens ausgebaut, auch wenn es in den Zügen (noch?) kein WLAN gibt. Der Öffentliche Verkehr funktioniert absolut reibungslos und bringt den Reisenden in fast jeden Winkel im Land.

Ausser in den Bergen gibt es fast überall ein funktionierendes Internet, manchmal mag es etwas langsam sein.

Ich reise und wandere jetzt seit knapp zwei Monaten durch die Schweiz und habe problemlos ortsunabhängig arbeiten können.

 

11. Ich nenne Dir ein paar Schlagworte und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt:

Kosten für Unterkunft/Verpflegung – Eher obere Preisklasse. Aber auch in Schweizer Supermärkten kann man preiswert einkaufen. Um Geld für die Unterkunft zu sparen, empfehle ich Couchsurfing oder AirBnB.

Infrastruktur – Ein Schweizer würde sagen: tiptop!

Lebensqualität – Sehr hoch. (M)Ein Traum.

Hostels – Ich empfehle die Schweizer Jugendherbergen. Sehr sauber, relativ preiswert, Begegnungsstätte für Jung und Alt, sehr gut geführt.

Gastfreundschaft – Je touristischer das Reiseziel, desto professioneller ist die Gastfreundschaft. Je weiter man von Touristenzentren wegkommt oder in die Berge geht, desto uriger und liebenswerter wird die Gastfreundschaft. Aber die Gastfreundschaft ist mehrheitlich wirklich gegeben, egal wo man ist

 
 

Über Jana

Jana Wessendorf ist Naturliebhaber, Wandermensch, Blogger und ein kleiner Schokoladenfreak. Nach einigen Jahren Dauerlauf im Karriere-Hamsterrad ist sie nun zu Fuss unterwegs. Sie setzt sie sich erfolgreich für die Wiederentdeckung der Langsamkeit ein: im Alltag, in der Natur, beim Wandern und auf Reisen.

 
 

Mango Verde interviewt im Rahmen der „Als Frau allein reisen“ Reihe allein reisende Frauen in allen Ländern dieser Welt. Du möchtest gern dabei sein und deine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten teilen? Schreibe mir eine Email!

Habt ihr Fragen, Anregungen oder eigene Erfahrungen, die ihr gern loswerden würdet? Rein damit in die Kommentare!

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