Als Frau allein in Ecuador

Als Frau allein in Ecuador

In keinem anderen Land gibt es so viele Lebensformen auf engstem Raum wie in Ecuador. Eine vielfältige Natur- und Tierwelt, kulturelle Highlights in Quito und Cuenca sowie dem indigenen Hochland, die vorgelagerten Galapagos-Inseln und die gastfreundliche Bevölkerung machen Ecuador zu einem absoluten Muss.

Jasmina hat sich als Frau allein in Ecuador pudelwohl gefühlt und berichtet über dieses tolle, farbenfrohe und vielfältige Land.

 

 

Ecuador41. Was hat Dich nach Ecuador geführt? Welche Regionen/Orte hast Du besucht?

Nach meinem Studium hat mich mein Arbeitgeber bei 50% Lohnfortzahlung für 3 Monate freigestellt. Diese Zeit wollte ich mir zum Reisen nehmen. Da mein Freund zu diesem Zeitpunkt in Los Angeles studiert hat, haben wir während seinen Semesterferien zunächst gemeinsam Zeit in Zentralamerika verbracht. Als er dann zurück musste, habe ich mich dafür entschieden alleine weiterzureisen. Die Entscheidung für Ecuador ist gefallen, weil ich seit dem ich 10 Jahre als war dorthin wollte. Damals hat meine Klassenlehrerin von ihrer Reise dorthin erzählt und ich habe es nie vergessen. Ecuador ist ein sehr abwechslungsreiches Land, es hat Berge, Küste und interessante Städte. Ich bin am Flughafen in Quito gelandet und habe dort die ersten Tage verbracht. Quito hat eine beeindruckende Altstadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. Es ist sehr sicher, sodass ich keinerlei Bedenken hatte alleine durch die Stadt zu schlendern. Natürlich habe ich auch den Äquator besichtigt, der buchstäblich eine gelbe Linie am Boden ist. Diese ist offensichtlich vor vielen Jahren am falschen Ort angebracht worden, wie man heute dank modernster Technik weiß. Danach bin ich nördlich nach Otavalo, wo es den größten Markt Südamerikas gibt.

Von Otavalo bin ich dann nach Banos, das sowohl ein Kurort als auch ein Paradies für Adrenalinjunkies ist. Während meiner Zeit in Banos habe ich heißen schwefelhaltigen Quellen gebadet, mich massieren lassen, Puenting (eine Art Bungee Jump) und Ziplining gemacht, bin mit dem Fahrrad entlang der ruta de las cascadas (Wasserfallroute) gefahren, und habe auf der gefährlichsten Schaukel der Welt geschaukelt. Nach so viel Action wollte ich mir an der Küste Entspannung gönnen und habe einen Nachtbus nach Montanita genommen. Zu diesem Zeitpunkt war mir nicht klar, dass Montanita der Partyort Ecuadors ist. Tagsüber wurden mir bereits am Strand Drogen in Form von z.B. selbstgebackenen Cookies angeboten. Die Partys am Abend waren super und wenn man darauf ein paar Tage Lust hat, ist es der perfekte Ort. Möchte man allerdings einen ruhigen Strandort, sollte man sich eines der vielen anderen Dörfer entlang der Küste aussuchen. Mein letztes Ziel war Guayaquil, die größe Stadt Ecuadors. Dort kann man an der Promenade entlang schlendern oder einkaufen gehen. Viele Touristen verbringen wenig Zeit dort, da es vor allem eine Geschäftsstadt ist. Alle Flüge zu den Galapagosinseln führen über Guayaquil. Leider hat mein Budget es mir nicht erlaubt diese zu besuchen. Ich möchte definitiv noch ein Mal nach Ecuador, um auf den Galapagosinseln zu tauchen, den Vulkan Cotopaxi zu besteigen und die Stadt Cuenca zu besichtigen.

2. Wie lange warst Du dort und wie bist du gereist (Bus, Bahn, Taxi, privater Fahrer, Flugzeug etc)?

Eingereist bin ich mit dem Flugzeug aus Nicaragua komment. Ich war 3 Wochen in Ecuador und habe mich meistens mit dem Bus fortbewegt. In Quito habe ich ab und zu Taxis genutzt. Ausgereist bin ich nach Kolumbien mit dem Bus.

Ecuador23. Wie/wo hast du übernachtet und wie hast du deine Wertsachen gesichert (sowohl nachts als auch tagsüber)?

Ich habe ausschließlich in Hostels übernachtet (meist Mehrbettzimmer). Viele hatten Schließfächer, aber da ich keinen Laptop oder iPad dabei hatte und nie viel Bargeld im Rucksack hatte, hab ich immer wenig Bedenken gehabt. Während der Nachtfahrten mit dem Bus, habe ich Reisepass, Kreditkarten, Handy und den größten Teil des Bargelds in einer flachen Bauchtasche getragen, sodass diese mir nicht während ich schlafe geklaut werden konnten.

4. Gab es Momente oder Situationen, in denen Du dich unsicher/unwohl gefühlt hast und wenn ja, wann und wo?

Während ich in Banos nachts um 1 auf einer Straße auf den Bus gewartet habe, habe ich mich unwohl gefühlt. Das würde ich aber in Deutschland ebenso.

5. Hast du irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wie z.B. ein Selbstverteidigungskurs, besondere Safety Items in deinem Gepäck, Dokumentensicherung etc. und wenn ja, welche?

Ich habe immer Kopien von meinem Reise- und Impfpass an verschiedenen Orten/Taschen. Wenn ich mit dem Rucksack durch einen Ort gelaufen bin, um nach einer Unterkunft zu suchen, habe ich immer den Regenschutz über dem Rucksack. Während ich nachts geschlafen habe, hab ich wie oben erwähnt die wichtigsten Sachen am Körper. Im Bus habe ich wo möglich den Platz in der ersten Reihe ausgewählt, weil dann nur von „hinten“ jemand etwas klauen kann. Außerdem trage ich keinen teuren Schmuck und versuche mein teures Handy nicht immer öffentlich zu zeigen, um keine Aufmerksamkeit zu ziehen. An vielen Orten gehe ich sobald es dunkel ist nicht mehr alleine vor die Tür. Wenn ich dann noch von A nach B will, bestelle ich mir ein Taxi.

Ecuador16. Empfindest Du es generell unsicher, dich als Frau allein durch Ecuador zu bewegen? Worauf sollte frau achten?

Ich empfand Ecuador als sehr sicher und hatte keine Bedenken mich alleine fortzubewegen. Selbstverständlich wird man öfters anders angeschaut (vor allem weil man anders aussieht, wenn man blond ist), aber die meisten Menschen waren unheimlich freundlich. Sie fanden es toll, dass man sich für ihr Land interessiert und dieses toll findet. Insbesondere andere Frauen waren immer Rat und Tat zu Seite. Als ich ein Mal nicht ganz sicher war, wo ich hin muss an einer großen Busstation, hat eine Frau mich bis zu dem richtigen Schalter gebracht.

Ich würde allen raten immer möglichst selbstbewusst aufzutreten und wenigstens etwas Spanisch zu lernen. Mal abgesehen davon, dass die meisten dort kein Englisch sprechen, öffnet es viele Türen und gibt einem persönlich mehr Sicherheit. Auch wenn ihr sonst der freundliche offene Typ seid, lächelt Männer nicht an, wenn ihr nicht angesprochen werden wollt.

7. Hast du selbst Gewalt/Belästigungen gegenüber Frauen beobachtet, Einheimische oder Touristinnen?

Nein

Ecuador38. Was schätzt du ganz besonders an Ecuador und was findest du ganz furchtbar?

Die Offenheit der Menschen und die abwechlungsreiche Landschaft waren faszinierend. Furchtbar fand ich nix, außer mich am Anfang an die Höhe zu gewöhnen. Quito ist die 2. Höchstgelegene Hauptstadt der Welt und es war sehr anstrengend sich daran zu gewöhnen.

9. Welche Tipps würdest Du einer allein reisenden Frau geben, die zum ersten Mal nach Ecuador reist?

Lernt ein paar Brocken Spanisch und seid neugierig. Ecuador ist ein tolles Land mit freundlichen Menschen

 

10. Auf einer Skala von 1 (unsicher) bis 5 (sehr sicher) – wie würdest Du Ecuador einstufen in puncto Reisesicherheit/Gewalt/Kriminalität gegenüber weiblichen Touristen? Bitte begründe Deine Einschätzung.

Ich würde Ecuador eine 4 geben. Natürlich ist eine subjektive Meinung, aber ich habe auch in vielen Unterhaltungen mit anderen Reisenden nichts negatives gehört. Ich bin mir bewusst, dass Diebstahl vorkommt, allerdings glaube ich, dass man sehr sicher ist, wenn man gewisse Grundregeln beachtet (z. B. Nicht im Dunkeln alleine draußen sein)

11. Ich nenne Dir ein paar Schlagworte und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt:

Achtung Ecuador hat keine eigene Währung, alles wird in USD gezahlt!

Kosten Unterkunft –  Günstig ca. 10$/ Nacht im Mehrbettzimmer

Lebensqualität –  Für die Menschen, die als Minderheiten leben häufig schwierig. Ecuador ist ein armes Land, das aktuell aufgrund des Röhölpreisverfalls massiv leidet. Eine eigene Geldpolitik ist nicht möglich, da Ecuador keine eigene Währung mehr hat. Allerdings sind in den letzten Jahren viele Menschen in die Mittelschicht aufgestiegen, sodass das Wirtschaftswachstum auch Teile der armen Bevölkerung erreicht hat.
Öffentliche Toiletten –  Nicht vorhanden oder nicht sauber

Essen  – Sehr lecker und günstig. Eine Besonderheit ist Meerschweinchen (Cuy), besonders in Otavalo Ceviche, ein Gericht mit Meeresfrüchten, das den Kater heilen soll Mittags vekommt man oft für wenige $ ein „3 Gänge Menü“, meistens Suppe, Fleisch mit Reis und irgendeine Nachspeise. Viele Bäckerein bieten Empanadas oder ähnliches an, die sich besonders für die langen Busreisen eignen.

Gastfreundschaft –  Die Gastfreundlichkeit der Menschen ist sehr beeindruckend. Allerdings gibt es auch viele zurückhaltende Menschen, dazu zählt vor allem die indigene Bevölkerung. Diese haben häufig neben Spanisch eine weitere Sprache (z.B. Kichwa), auf der sie sich untereinander unterhalten.

 

 

Ecuador5Über Jasmina

Ich bin Jasmina, 26 Jahre alt und wohne seit 7 Jahren in Frankfurt am Main. Geboren wurde ich in Bosnien und Herzegowina, aber bin im Alter von 2 Jahren wegen des Bürgerkriegs nach Deutschland gekommen. Aufgewachsen bin ich in Andernach, einer kleinen Stadt am Rhein zwischen Koblenz und Bonn. Nach Abschluss meines Abiturs, habe ich mich für eine Ausbildung zur Bankkauffrau entschieden, allerdings schnell gemerkt, dass ich gerne noch studieren möchte. Daher habe ich im Anschluss an die Ausbilding Betriebswirtschaftslehre an der Frankfurt School of Finance & Management studiert. Im Rahmen eines Auslandssemsters habe ich ein halbes Jahr in Mexiko-City verbracht. Außerdem habe ich 2 Monate für eine deutsche Bank in Singapur gearbeitet. Diese Erfahrungen haben mein Reisefieber entfacht und mich dazu ermutigt die Welt zu bereisen. Heute arbeite ich in einer weltweit tätigen Unternehmensberatung.

 

Mango Verde interviewt im Rahmen der „Als Frau allein in…“ -Reihe allein reisende Frauen in allen Ländern dieser Welt. Du möchtest gern dabei sein und deine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten teilen? Schreibe mir eine Email!

 

Habt ihr Fragen, Anregungen oder eigene Erfahrungen, die ihr gern loswerden würdet? Rein damit in die Kommentare!

Recent Posts

Leave a Comment


*