Als Frau allein in Iran

Als Frau allein in Iran

 

Iran – nicht unbedingt das Reiseland Nr. 1, politisch gebeutelt, strenge Gesetze und trotzdem als Urlaubsziel total unterschätzt, hat es doch eine einmalige und sehr alte Kultur und überaus gastfreundliche und kontaktfreudige Menschen vorzuweisen. Aber wie sieht es in puncto Reisesicherheit aus, vor allem als Frau allein in Iran?

Mango Verde hat eine reiseerfahrene Dame zu ihren Erfahrungen, Erlebnissen und Empfehlungen für allein reisende Frauen in Iran befragt:

 

 

Teheran

Teheran

1. Warum bist Du ausgerechnet in Iran unterwegs gewesen, wie kam es zu dieser Reisewahl?

Eigentlich habe ich mich schon länger für den Iran interessiert –  eine sehr alte, geschichtsträchtige Kultur –  man denke nur an Persepolis – und ein Land, in dem es wenig Tourismus gibt, das aber als sicher für Touristen galt. Das fand ich ungemein spannend, dachte aber, dass ich vielleicht lieber mit männlicher Begleitung in ein Land reisen möchte, das Frauen nicht die gleichen Rechte zuspricht wie Männern. Dann habe ich Bruni Prasskes „Mögen deine Hände niemals schmerzen“ gelesen, in dem sie von ihrer Iranreise berichtet; die von der Herzlichkeit der Menschen in Iran erzählt. Und dann habe mich getraut alleine dorthin zu fliegen.

 

2. Wie lange warst Du dort und wie bist du gereist (Bus, Bahn, Taxi, privater Fahrer, Flugzeug etc)?

Ich habe die zwei-wöchigen Osterferien für diese Reise genutzt und war hauptsächlich mit Bahn und Bus unterwegs. Im Nachtzug hat der Schaffner für mich ein ganzes Abteil gesperrt, damit ich meine Ruhe habe und mich niemand belästigen kann. So besorgt und hilfsbereit sind die Menschen dort, wenn man als Frau alleine unterwegs ist. Im Bus wurde darauf geachtet, dass kein Mann neben mir sitzt.

Ein paar Tage war ich auch mit dem Onkel von Bekannten unterwegs. Als diese hörten, dass ich in den Iran komme, haben sie ihre Urlaubspläne geändert, um mich mit ans Kaspische Meer nehmen zu können – ohne mich überhaupt zu kennen. Die Herzlichkeit der Iraner ist in der Tat einmalig.

3. Wie/wo hast du übernachtet und wie hast du deine Wertsachen gesichert (sowohl nachts als auch tagsüber)?

Ich habe ein paar Tage bei der Familie von Bekannten gewohnt. Dort musste ich natürlich nicht auf meine Wertsachen aufpassen. In den Hostels und Hotels in denen ich später war, erübrigte sich das eigentlich auch: Es gibt keine Schlafsäle. Verheiratete Paare erhalten ein Doppelzimmer. Ich habe immer in einem Einzelzimmer übernachtet. Meinen Pass und mein Geld habe ich immer am Körper getragen. In Iran kann man als Ausländer kein Geld abheben. Ich hatte also mein ganzes Bargeld für die Reise dabei.

Esfahan

Esfahan

4. Gab es Momente oder Situationen, in denen Du dich unsicher/unwohl gefühlt hast und wenn ja, wann und wo?

In Esfahan, der wunderschönen Hauptstadt der einstigen Salafidendynastie, hatte ich plötzlich Probleme. Es gibt dort einen großen Platz, den Eidan-e-Imam, um den herum sich zahlreiche Touristenattraktionen befinden. Es war der einzige Ort in Iran, an dem es Touristen in größerer Zahl gab. Und hier wurde ich von mehreren iranischen Männern angesprochen, ob sie mich begleiten dürften. Als ich verneinte kamen einige recht unangemessene Kommentare z.B.: „Scheiß Deutsche! Die Russinnen zieren sich nicht so!“, oder „Du solltest es mal mit einem iranischen Boyfriend versuchen“. Eigentlich typische Kommentare, die ich in Marokko oder in der Türkei täglich zu hören bekam. Aber da es nach fast zwei Wochen reisen das erste Mal in Iran passierte, hat es mich ziemlich schockiert. In einem Teppichgeschäft hat mir der Angestellte an die Brüste gefasst. Diese Respektlosigkeit hat mich so unglaublich wütend gemacht.

Davor war der Iran für mich das höflichste und respektvollste Reiseland, in dem ich je alleine unterwegs war. Ich habe dann den Platz gemieden und bin in den modernen Teil von Esfahan ausgewichen. Und dort waren die Menschen wieder neugierig, aber respektvoll.

 

5. Hast du irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wie z.B. einen Selbstverteidigungskurs, besondere Safety Items in deinem Gepäck, Dokumentensicherung etc. und wenn ja, welche?

Meine Fotos landen automatisch in meiner Dropbox. So kann nichts verloren gehen. Dort habe ich auch Fotos von meinem Reisepass und Impfpass hinterlegt. Ansonsten treffe ich Sicherheitsvorkehrungen wenn dann vor Ort und je nach Land unterschiedlich. In Iran ist es sicher ratsam sich an die Kleidervorschrift zu halten und von außerehelichem Geschlechtsverkehr oder Alkohol- oder Drogengenuss würde ich auch dringend abraten, auch wenn viele junge Iraner liberaler sind als man denkt.

 

Terrassenstadt Masuleh

Terrassenstadt Masuleh

6. Der Iran ist ja politisch recht gebeutelt und ist nicht unbedingt das Reiseland Nr. 1. Empfindest Du es generell unsicher, als Frau allein durch den Iran zu reisen? Worauf sollte frau achten? 

Ja, der Iran ist politisch ziemlich gebeutelt, aber das trifft alle Menschen, nicht nur die Frauen. Generell sind die Gesetze sehr strikt und das öffentliche Leben ist spaßbefreit, aber Frauen sind nicht – wie z.B. in Saudi Arabien – aus dem öffentlichen Leben verbannt. Sie fahren Auto, mehr Frauen als Männer studieren und die meisten Frauen gehen einer Arbeit nach, sie sind Busfahrerinnen, Ärztinnen und Richterinnen.

Sich an die Kleidervorschrift zu halten ist sicherlich sinnvoll, sonst gibt es Ärger mit der Polizei. Alles andere ist gesunder Menschenverstand. Zum Beispiel wurde ich von einem sehr unterhaltsamen Iraner, den ich in einem Cafe kennengelernt habe, gefragt, ob ich mit ihm in die Berge fahren möchte, da treffen sich die jungen, liberalen Teheraner abends. Ich habe ihm gesagt, dass ich als alleine reisende Frau nicht mit einem fremden Mann nachts irgendwo hinfahren werde. Ich denke, dass das egal in welchem Land eine sinnvolle Sicherheitsvorkehrung ist.

Letztendlich hat der nette Iraner daraufhin noch andere Touristen im Cafe angesprochen und sie gefragt, ob sie uns auch begleiten wollen, damit ich mich nicht unwohl fühle und mir seinen Ausweis gezeigt, den ich abfotografieren sollte.

7. Hast du selbst Gewalt/Belästigungen gegenüber Frauen beobachtet, Einheimische oder Touristinnen?

Ich habe keine Gewalt oder Belästigung gegenüber Frauen beobachtet, von oben genanntem Fall abgesehen. Das heißt nicht, dass es nicht passiert.

8. Was schätzt du ganz besonders an Iran und was findest du ganz furchtbar?

Es gibt eine große Diskrepanz zwischen der islamischen Regierung und der Bevölkerung. Fast alle Iraner, mit denen ich gesprochen habe, sagten: „Bitte sag den Menschen da draußen, dass die Iraner ein normales Volk sind. Wir haben nichts gegen die Juden, wir wollen unsere Frauen nicht unterdrücken und wir möchten gerne mit dem Westen in Frieden leben. Aber unsere Regierung lässt das nicht zu.“ Das finde ich natürlich furchtbar.

Was ich unglaublich schätze an Iran, ist die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen. Auch die religiösen und konservativen Menschen, die ich kennengelernt habe, auch die, mit denen ich aufgrund der Sprachbarriere nicht kommunizieren konnte, waren reine Neugier und Freundlichkeit mir gegenüber. Viele Frauen haben mich angesprochen, wollten sich mit mir fotografieren lassen, haben mich zum Essen eingeladen. Manche haben sich meiner Stadttour angeschlossen und mich begleitet, mir interessante Ecken gezeigt, die ich sonst übersehen hätte. In kaum einem anderen Land kam ich so viel mit den Frauen in Kontakt und habe einen Einblick in ihr Leben erhalten. Die Iranerinnen sind sehr selbstbewusst und kontaktfreudig.

Der Norden des Landes kam mir deutlich liberaler vor. Auf einer Hochzeit, die ich am Kaspischen Meer miterleben durfte, gab es Wodka und die Frauen und Männer tanzten gemeinsam, teils auch unverschleiert. Dass ich als Ausländerin der Feier beiwohnen durfte, hat mich sehr gerührt.

 

Schah-Tscheragh-Moschee Shiraz

Schah-Tscheragh-Moschee Shiraz

9. Welche Tipps würdest Du einer allein reisenden Frau geben, die zum ersten Mal in den Iran reist?

Um ehrlich zu sein würde ich einer alleine reisenden Frau keine anderen Tipps geben als einem alleine reisenden Mann: Haltet euch an die Kleidervorschrift, verhaltet euch respektvoll der Kultur gegenüber. Haltet euch an die Gesetze, denn die Strafen sind gravierend. Nehmt Bargeld mit, denn Geld kann an den iranischen Geldautomaten nicht abgehoben werden. Werdet ihr von Familien zum Essen oder zu Hochzeiten eingeladen, sagt auf jeden Fall zu, es ist ein wunderbares Erlebnis. Von Inlandflügen rate ich ab. Die Fluglinien haben aufgrund der internationalen Sanktionen keine wertigen Ersatzteile. Relativ häufig kommt es zu Unfällen.

Seid neugierig und lasst euch auf die Menschen in Iran ein. Natürlich sollte man immer wachsam bleiben, aber das gilt für jedes Land und für jedes Geschlecht.

Ansonsten sind die historischen Stätten wie z.B. Esfahan und Persepolis ein Muss! Ein Traum war auch die Schah-Tscheragh-Moschee in Shiraz, die man sich meiner Meinung nach unbedingt tagsüber und nach Einbruch der Dunkelheit anschauen sollte. Die Stimmung ist einmalig.

10. Auf einer Skala von 1 (unsicher) bis 5 (sehr sicher) – wie würdest Du Iran einstufen in puncto Reisesicherheit/Gewalt/Kriminalität gegenüber weiblichen Touristen?

Ich finde diese Frage schwer zu beantworten. Ich habe mich nie unsicher gefühlt, aber das ist mein subjektives Empfinden. Gewalt gegen Touristen kommt – glaube ich – in Iran selten vor, aber es gibt auch nur wenige Touristen. Zudem sind die Strafen für Gesetzesbrecher hart.

In Esfahan, am einzigen touristischen Ort des Landes, wurde ich von Männern blöd angesprochen und angemacht. Das war irritierend und hat mich wütend gemacht, aber es waren ja so viele Menschen um mich herum, dass ich mich nicht unsicher gefühlt habe.

Generell würde ich Iran als ein sicheres Reiseland einstufen, auch weil manche potentiellen Gefahrenquellen von vorne herein ausgeschaltet sind. So gibt es in den Hostels keine Schlafsäle, in denen man beklaut werden könnte. In der U-Bahn gibt es Wagen nur für Frauen, damit man ja nicht angesprochen werden kann.

11. Ich nenne Dir ein paar Schlagworte und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt:

Kosten Unterkunft: im Schnitt 15 Dollar pro Nacht in den Hostels, 20 Dollar in den günstigen Hotels. Die Hostels waren dabei eindeutig von besserer Qualität als die Hotels.

Lebensqualität: für die Mittelschicht und für Touristen im Privatbereich gut. Abstriche müssen in der Öffentlichkeit gemacht werden, weil so vieles verboten ist.

Öffentliche Toiletten & Campingplätze: öffentliche Toiletten waren immer sauber, aber man sollte sein eigenes Klopapier dabei haben. Campen war ich nicht, aber die Iraner campen gerne. Wildcampen ist möglich.

Hotpants: Nur in der Wohnung.

Essen & Magenverstimmung: Es gibt in den Restaurants viel Hühnchen mit Reis, was für mich als Vegetarier nicht ganz das richtige ist. Bekannte haben mir gesagt, dass aber jeder Iraner „Mirza Ghasemi“ kochen kann, ein Auberginengericht. Ich habe dann ich Restaurants nachgefragt und das haben sie dann meist für mich gekocht. Sehr zu empfehlen! Die Nachspeisen habe ich auch sehr gerne gegessen, vor allem Safraneiscreme und Sohan (Karamell). Alkohol gibt es nur auf dem Schwarzmarkt, zumeist Wodka in kleinen Tetrapacks, weil er einfach zu schmuggeln ist. Magenprobleme hatte ich keine.

 

 

Über die Autorin

Ich bin eine 34-jährige Lehrerin und nutze meine Schulferien zum Verreisen. Jetzt genieße ich gerade mein 2. Sabbatjahr und war die letzten 9 Monate on the road. Ich ziehe nicht immer alleine los, aber da ich so viel mehr Urlaub als mein Umfeld nehmen kann, kommt es häufig vor, dass ich die Welt alleine erkunde. Mich interessieren fremde Kulturen sehr und ich besteige gerne Berge. Als Ethik- und Geschichtslehrerin kommt mir meine Neugier auf die Welt auch im beruflichen Umfeld zu Gute.

 

Mango Verde interviewt im Rahmen der „Als Frau allein reisen“ Reihe allein reisende Frauen in allen Ländern dieser Welt. Du möchtest gern dabei sein und deine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten teilen? Schreibe mir eine Email!

Habt ihr Fragen, Anregungen oder eigene Erfahrungen, die ihr gern loswerden würdet? Rein damit in die Kommentare!

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Showing 2 comments
  • Stefanie Schwarz
    Antworten

    Ein sehr ausgewogener Bericht über ein so missverstandenes Land!

    Ich bin ebenfalls über die Bücher von Bruni Prasske auf die Idee gekommen in den Iran zu reisen und war insgesamt fünf Wochen lang im Land.

    Ich hatte wirklich nur sehr sehr wenige unangenehme Situationen und bin etwas erschüttert über die Entwicklung in Esfahan, die die Autorin hier schildert…. ich war damals auf diesem Platz mit meinem männlichen Couchsurfing-Host unterwegs und habe nichts dergleichen erlebt, aber leider war so eine Entwicklung wegen des steigenden Tourismus zu Befürchten. Hier prallen eben zwei Welten aufeinander…

    Wer meine Iran-Berichte lesen möchte, darf sich gerne auf meinem Blog umsehen:

    http://aworldkaleidoscope.com/orient-naher-osten/iran/

    LG Steffi

    • Mangoverde
      Antworten

      Hey Steffi,
      lieben Dank für deinen Kommentar und deinen Link zum Iran – immer wieder interessant, Eindrücke und Erlebnisse allein reisender Frauen dort zu erfahren.

      Viele Grüße und stay safe,
      Vivien

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