Als Frau allein in Japan

Als Frau allein in Japan

 

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Daniela von Nipponinsider  hat sich auf ihrer Weltreise in einen Japaner verliebt, ist zu ihm nach Japan gezogen, hat ihn geheiratet und Japan zu ihrer zweiten Heimat gemacht. Mit Fahrrad und Zelt ist sie auf eigene Faust losgezogen das Land zu erkunden – die Einheimischen schüttelten den Kopf und warnten vor Taifunen und giftigen Tieren, aber Bedenken als Frau allein in Japan unterwegs zu sein hatte niemand – und Daniela schon gar nicht.

Mango Verde hat Daniela ein paar Fragen zu ihren Erlebnissen und Eindrücken gestellt – herausgekommen ist ein sehr unterhaltsamer und informativer Bericht:

 

1. Warum bist Du ausgerechnet in Japan unterwegs gewesen, wie kam es zu dieser Reisewahl? Welche Orte/Regionen hast Du dort bereist?

2002 kündigte ich meinen Job und ging ich auf Weltreise – von Bielefeld über Berlin mit dem Zug bis nach Asien. Unterwegs traf ich einen lustigen Japaner, wir verliebten uns ineinander und reisten von da an 8 Monate zusammen.

Schließlich ging ich mit ihm nach Japan und hatte keine Ahnung, was mich dort erwarten würde. In Japan endete die Weltreise dann auch und das Land wurde meine zweite Heimat. 2005 heirateten wir.

Weil mein Mann, durch und durch Japaner, immer viel arbeiten musste, vertrieb ich mir meine Zeit damit, das Land alleine zu erkunden – am liebsten mit dem Fahrrad. 

Als ich verkündete, dass ich im Sommer mit dem Fahrrad die Inselwelt von Okinawa erkunden wollte, hielten mich die Japaner für verrückt: „Viel zu heiß und dann die vielen Taifune, da kannst du nicht im Zelt schlafen! Und dann gibt es dort giftigen Tiere!“ hieß es immer. Bedenken, als Frau allein unterwegs zu sein, hatte niemand. Ich selbst auch nicht, da bin ich unerschrocken. Denn schließlich war ich ja 2002 schon alleine losgezogen.

Frage2-nipponinsider2. Wie lange warst Du dort und wie bist du gereist (Bus, Bahn, Taxi, privater Fahrer, Flugzeug etc)?

Einen Monat wollte ich über die Inseln radeln. Die Reise vom nördlich gelegenen Fukushima ging zunächst mit dem Bummelzug in 12 Stunden nach Osaka. Im Zug traf ich gleich auf eine nette Gruppe älterer Frauen, die mich in ihrem Kreis aufnahmen und mit einem kühlen Bier auf eine gute Reise anstießen. 

Erlebnisse dieser Art hatte ich auf der Reise noch viele. Ich war also nicht wirklich alleine. Dass ich Japanisch sprach, half mir allerdings sehr für diese tollen Begegnungen.

Von Osaka fuhr ich über Nacht mit einer Fähre auf die Hauptinsel – Okinawa Honto. Klar, fliegen geht schneller, aber mein Budget war knapp – daher fiel meine Wahl auch auf das Fahrrad mit Zelt. 

MIt dem Fahrrad war ich allein unterwegs, manchmal hat ein Bus oder Jeep angehalten, um mich ein Stück mitzunehmen. Ich weiß nicht, ob ich so fertig aussah und man Mitleid mit mir hatte oder ob man einfach nur neugierig auf mich war. 

Frage3-nipponinsider3. Wie/wo hast du übernachtet und wie hast du deine Wertsachen gesichert (sowohl nachts als auch tagsüber)?

Oft habe ich mein Zelt einfach am Strand aufgestellt, da gibt es in Japan immer Toiletten und Duschen. Sehr praktisch. Wenn ein Taifun im Anmarsch war, dann hab ich mal ein paar Nächte in einem Hostel oder einer kleinen Pension übernachtet. In den Mehrbettzimmern im Hostel wurde übrigens immer nach Geschlechtern getrennt. Dazu hatte jedes Bett, wie schon auf der Fähre, einen Vorhang, um einen privaten Raum zu schaffen. 

Gedanken hatte ich mir anfangs schon gemacht, was ich mit meinem Gepäck machen soll, wenn ich mal in einen Supermarkt will. Geld und Pass hatte ich immer bei mir, aber das Fahrrad mit sämtlichem Gepäck hab ich bedenkenlos für ein paar Stunden alleine lassen können. Irgenwie haben die Japaner um mich herum immer ein Auge auf mich oder mein Fahrrad gehabt. 

4. Gab es Momente oder Situationen, in denen Du dich unsicher/unwohl gefühlt hast und wenn ja, wann und wo?

Meine erste Nacht im Zelt werde ich nie vergessen. Da hatte ich mir eine einsame Bucht gesucht, ganz versteckt am Ende eines langen Weges. Ganz allein war ich dort und fand es toll. Als ich dann aber in meinem Zelt lag und es um mich herum knisterte und knarrte, bekam ich ein mulmiges Gefühl. So ganz allein, ist das sicher? Menschen hätten mich hier überfallen können und gehört hätte mich wohl niemand. 

Und dann die Tiere, allen voran die giftige Schlange, Habu. Das wurde eine unruhige Nacht. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, ständig beobachtet zu werden. 

Es stellte sich am nächsten Morgen heraus, dass tatsächlich ein Polizist, der mich zuvor gesehen hatte, um mein Zelt herumgeschlichen war,um alle paar Stunden zu sehen, ob noch alles in Ordnung war.

5. Hast du irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wie z.B. einen Selbstverteidigungskurs, besondere Safety Items in deinem Gepäck, Dokumentensicherung etc. und wenn ja, welche?

Nein, nichts. Ich hatte ein Messer im Gepäck, aber das brauchte ich, um Obst zu schneiden. Aber ich habe vor einigen Jahren in China einen KungFu Kurs besucht und dort auch Selbstverteidigung gelernt. Ich rede mir deshalb immer ein, ich kann mich im Notfall wehren. 

okinawa-nipponinsider

Okinawa

6. Empfindest Du es generell unsicher, als Frau allein durch Japan zu reisen? 

Japan gehört für mich zu den sichersten Ländern der Welt. Ich kann in den 6 Jahren von keinem einzigen unangenehmen Erlebnis berichten, mal abgesehen davon, dass man häufig angeschaut wird. 

Männliche Anmache, wie in vielen Ländern gibt es nicht. Ein einziges Mal haben mir japanische Männer hinterher gepfiffen in 6 Jahren und da fühlte ich mich – ehrlich gesagt – sehr geschmeichelt, drehte mich um und nickte kurz, um mich zu bedanken. Den Männern war das plötzlich schrecklich peinlich und sie wirkten sehr beschämt. Vielleicht auch, weil die 16-jährigen sich über mich – damals Anfang 30 – erschrocken haben. Von hinten sehe ich wohl jünger aus.

 

7. Hast du selbst Gewalt/Belästigungen gegenüber Frauen beobachtet, Einheimische oder Touristinnen?

Beobachtet selbst habe ich Belästigungen nicht, aber ich kenne Geschichten von Frauen aus Tokyo. Da sind die Züge oft so voll, dass man aneinander gedrückt wird. Es gibt es unter den Männern Perverse, die der Frau versuchen, unter den Rock zu fassen oder sich an der Frau zu reiben und sich daran aufgeilen. Viele Japanerinnen sind zu schüchtern, um den Täter anzuschreien. Das sollte man aber unbedingt tun.

Im Moment läuft eine große Kampagne in Japan, die Frauen dazu auffordert, mit lauter Stimme auf solche Vorfälle aufmerksam zu machen. 

8. Was schätzt du ganz besonders an der japanischen Kultur und was findest du ganz furchtbar?

Den respektvollen Umgang miteinander mag ich ganz besonders. Wenn man mit vielen Menschen auf engem Raum leben muss, gilt es, Regeln einzuhalten: z.B. dass man sich nicht vordrängelt oder laut in der U-Bahn telefoniert. 

Und ich liebe das japanische Essen.

Anstrengend ist der Sommer mit seine hohen Luftfeuchtigkeit, vor allem in großen Städten wird es dann unerträglich.

Ganz furchtbar finde ich in Japan die Arbeitsgewohnheiten – das ist ein Grund, warum wir nach Deutschland gegangen sind. Mein Mann hat als angestellter Fotograf in der Regel 7 Tage die Woche 12 Stunden gearbeitet. Zwischendurch hat er mal spontan ein paar Tage frei bekommen, wenn die Auftragslage es zuließ. Deshalb bin ich auch sehr viel alleine in Japan gereist.

titel-nipponinsider9. Welche Tipps würdest Du einer allein reisenden Frau geben, die zum ersten Mal nach Japan reist?

Ein paar Sprachbasics helfen bei der Kontaktaufnahme schon sehr. Das gilt aber eigentlich für jedes Land. 

In Japan bricht man das Eis übrigens am leichtesten über das Essen. Nach dem ersten Bissen ein glückliches „Oishii“ oder einfach Daumen hoch und „Very Good!“ und man bekommt zu 99% ein Lächeln zurück.

Ansonsten empfehle ich alleinreisenden Frauen, sich eher an Japanerinnen zu halten, wenn man mal ein Problem oder eine Frage hat. Die sind weniger schüchtern als Männer und sprechen meistens auch ein bisschen besser Englisch. Im Optimalfall trifft man eine Gruppe Japanerinnen. 

10. Auf einer Skala von 1 (unsicher) bis 5 (sehr sicher) – wie würdest Du Japan einstufen in puncto Reisesicherheit/Gewalt/Kriminalität gegenüber weiblichen Touristen? Bitte begründe Deine Einschätzung.

5 – sehr sicher. Als Ausländer fällt man immer auf, das muss einem bewusst sein. Das kann zwar sehr anstrengend sein, auf der anderen Seite fühlt man sich gleichzeitig auch wohlbehütet, weil alle ein Auge auf dich haben.

Japanische Männer sind nicht gerade für ihr Machoverhalten oder für die draufgängerische Art bekannt. Meistens sind sie auch noch einen Kopf kleiner als die europäische Frau. Und generell ist die Kriminalitätsrate in Japan unglaublich niedrig. Da sprechen die Zahlen alleine schon für sich.

Nicht selten habe ich gesehen, wie sich Japaner ihren Platz in einem Cafe „sicherten“, indem sie einfach ihr Handy oder ihr Portemonnaie auf den Tisch legten, um dann zur Toilette zu gehen.

11. Ich nenne Dir ein paar Schlagworte und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt:

Tierschutz – …Daumen runter. Tierliebe geht da manchmal leider so weit, dass es neben den berühmten Katzencafés auch Eulen- oder Igelcafés gibt und Parks in denen man Füchse streicheln kann. Leider sehr beliebt bei den Touristen. Schade.

Öffentliche Toiletten –  …Daumen hoch. In jedem Bahnhof, inkl. U-Bahnhof, und in rund 50.000 Konbinis, den 24-Stunden-Läden im ganzen Land. Generell sehr sauber. Oft mit einem zusätzlichen Sitz für’s Kind ausgestattet (praktisch auf für den Rucksack oder die Handtasche). Man zahlt nichts für dieses Grundbedürfnis. 

Umweltschutz –  …Daumen runter! Mir fallen sofort die vielen Autos ein, die gerne den Motor über Stunden laufen lassen, damit es im Auto im Sommer kalt oder im Winter warm bleibt.

Hotpants –  …Daumen hoch – machen die Jungs. Die Röckchen sind superkurz. Die Highschool Schülerinnen krempeln ihre Bündchen der Schuluniform oben so oft um, dass aus dem Rock der Schuluniform ein Gürtel wird. Natürlich nur in der Zeit zwischen Schule und Zuhause.

Essen & Magenverstimmung –  …beide Daumen hoch!!! Viele leckere Dinge, sehr ausgewogen und vielseitige Küche. Auf der Erde sitzen und essen ist selbst in vielen Restaurant üblich. Daran muss man sich erst gewöhnen und der Magen und der Darm auch. 

 

Daniela hat in ihrem tollen Artikel Anders reisen – meine Japanreise noch mehr Tipps, Tricks, Insiderwissen und Erlebnisse mit uns zu teilen – schaut mal rein!

 

 

portrait-daniela-nipponinsiderÜber Daniela

Ich bin Daniela aus Berlin. Wenn ich mich kurz in 3 Worten beschreiben soll, dann in etwa so:

#abgebrochene Karriere 

#abgebrochene Weltreise 

#Japan-verliebt

Japan-verliebt wurde ich, weil ich mich auf meiner Weltreise in einen Japaner verliebte

Mehr als sechs Jahre haben wir dann in der Stadt Fukushima – im nördlichen Teil der japanischen Hauptinsel gelebt und jeden Tag habe ich etwas Neues gelernt. Ich fand Freunde und wurde in die japanische Gesellschaft integriert. Ich wurde von der Ausländerin – dem Outsider – zum Insider.

Japanerinnen und Japaner erklärten mir immer wieder geduldig, warum Japan so ist wie es ist. Sie nahmen mich „an die Hand“, um mit mir ihr Land zu entdecken. Sie lehrten mir geduldig ihre Sprache und die Kultur. Wie Japaner mir ihr Land erklärten, das erfährst du auf meinem Japan-Blog Nipponinsider.de (http://nipponinsider.de/)

Mango Verde interviewt im Rahmen der „Als Frau allein reisen“ Reihe allein reisende Frauen in allen Ländern dieser Welt. Du möchtest gern dabei sein und deine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten teilen? Schreibe mir eine Email!

 

Habt ihr Fragen, Anregungen oder eigene Erfahrungen, die ihr gern loswerden würdet? Rein damit in die Kommentare!

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