Als Frau allein in Laos

Als Frau allein in Laos

 

Laos ist der einzige Binnenstaat in Südostasien und touristisch bislang noch sehr wenig erschlossen im Gegensatz zu Nachbarländern wie Thailand oder Vietnam. Unter Backpackern war Laos lange für das River-Tubing und durchzechte Nächte in Vang Vieng bekannt; nach diversen Todesfällen, Alkohol- und Drogenexzessen hat die laotische Regierung aber in 2013 eingegriffen. Tuben kann man auch heute noch wunderbar auf dem Nam-Song-River, aber ohne Betrunkene.

Marina war Anfang des Jahres allein in Laos unterwegs und plaudert ein wenig über ihre Erfahrungen und Eindrücke von diesem bemerkenswerten Land. Wer Lust auf mehr hat, kann auf Marinas Webseite www.marinasworlddiary.blogspot.com ihre Abenteuer verfolgen.

 

 

Laos11. Was hat Dich nach Laos geführt? Welche Regionen/Orte hast Du besucht?

Ursprünglich war Laos eigentlich gar nicht eingeplant. Doch ich beschloss Vietnam dann vorerst auszulassen und mich einem Land zu widmen, von dem ich ehrlich gesagt noch gar nichts wusste. Nach einigen Internetrecherchen und vielen positiven Beiträgen beschloss ich nach meinem Thailand Aufenthalt nach Laos einzureisen. Eine genaue Vorstellung von dem, was mich erwarten würde und wo genau ich hinwollte, hatte ich nicht. Am Ende reiste ich dann via Slowboat von Nordthailand ein und verbrachte einige Tage in Luang Prabang. Anschließend fuhr ich nach Vang Vieng und zuletzt nach Don Det, den 4000 Inseln.

2. Wie lange warst Du dort und wie bist du gereist (Bus, Bahn, Taxi, privater Fahrer, Flugzeug etc)?

Insgesamt war ich um die 16 Tage in Laos. Eingereist bin ich mit dem Slowboat über den Mekong River, was allein schon zwei Tage in Anspruch genommen hat. Weitergereist bin ich mit Minibussen, Hotelbussen, normalen Bussen und kleinen Booten.

 

3. Wie/wo hast du übernachtet und wie hast du deine Wertsachen gesichert (sowohl nachts als auch tagsüber)?

Übernachtet habe ich in Luang Prabang und auf den 4000 Inseln in Mehrbettzimmern in Hostels. Nur als ich in Vang Vieng war habe ich mir mit einem anderen Soloreisenden ein Bungalow für wenig Geld gemietet. In den Hostels in denen ich war, gab es immer Spinde in denen man, mit einem eigenem Vorhängeschloss, seine Wertsachen hinterlegen konnte. Ich hab die wichtigsten Dokumente auch immer in einer kleinen Bauchtasche dabei gehabt die ich nachts im Spind hatte. Im Bungalow habe ich diese tagsüber in meinem Kissen gehabt, da es dort zwar einen Schlüssel fürs Zimmer gab, aber keinen Spind. (Und nachdem in einen Nachbarsbungalow eingebrochen wurde, hab ich den Beutel meistens immer an verschiedensten Orten versteckt).

 

4. Gab es Momente oder Situationen, in denen Du dich unsicher/unwohl gefühlt hast und wenn ja, wann und wo?

Es gab zwei Momente in denen ich froh war, nachts nicht allein durch die Stadt gelaufen und generell nicht in Begleitung anderer Reisender gewesen zu sein. Einmal in Luang Prabang, nachdem eine andere Reisende, mit der ich mich angefreundet hatte, von einer Biker Gang verfolgt wurde und sie in einem Krankenhaus Schutz gefunden hatte und ein anderes Mal auf der Busfahrt von Luang Prabang nach Vang Vieng, weil am Tag davor ein anderer Minibus verunglückt war und alle Insassen umgekommen sind. Die Fahrer geben teilweise keine Acht auf die Geschwindigkeit und Gesetze. Das waren definitiv keine schönen Momente.

 

Laos35. Hast du irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wie z.B. ein Selbstverteidigungskurs, besondere Safety Items in deinem Gepäck, Dokumentensicherung etc. und wenn ja, welche?

Ich habe vor meiner Reise die wichtigsten Dokumente kopiert und mir selber per E-Mail geschickt. Ich habe außerdem drei Geldbeutel dabei gehabt und meine Kreditkarten und Geld auf zwei aufgeteilt. Ich hatte zwei Konten mit gleich viel Geld drauf. Außerdem hatte ich einen Geldbeutel, in dem ich abgelaufene Kreditkarten und ein paar Dollar hatte, damit, für den Fall dass man überfallen wird, man einfach den „falschen“ Geldbeutel abgeben kann.

Ich hab außerdem, während ich von Stadt zu Stadt gereist bin, mein Handgepäck immer mit einem kleinen Schloss abgeschlossen und vor allem hatte ich nie Wertsachen in meinem Backpack, da manche Backpacks bei Pausen durchsucht werden. Da Pfefferspray verboten ist, hatte ich ab und an kleine Desinfektionssprays oder Deos dabei, die in Not auch ganz gut in den Augen brennen können.

 

6. Empfindest Du es generell unsicher, dich als Frau allein durch Laos zu bewegen? Worauf sollte frau achten? Beschreibe deine Erfahrungen und Learnings.

Laos empfand ich ehrlich gesagt nicht als unsicher. Die Locals kamen mir alle sehr freundlich, distanziert aber ehrlicher vor als viele in Thailand oder Cambodia. Der Tourismus ist noch nicht so extrem ausgebreitet wie in vielen anderen Ländern. Dennoch sollte man sich nicht nachts alleine auf den Weg machen. Meine Bekannte die in Luang Prabang verfolgt wurde, wird dies sicherlich auch nicht mehr tun.

Generell ist es super leicht Kontakte zu knüpfen und sich eine Gruppe von anderen Reisenden anzuschließen. Man sollte sich einfach soziale Hostels suchen, die nicht ab vom Schuss sind und es vermeiden, nachts alleine und auch tagsüber in eher unsichere Gegenden zu gehen. Dennoch sollte man sich auf den normalen Menschenverstand verlassen. Es ist wirklich total in Ordnung, wenn man Lust hat sich ein Rad zu mieten und die Natur erkunden will. Vor allem in Vang Vieng gibt es so viel Schönes zu besichtigen und da wäre es schade, es nicht zu tun, weil man Angst hat alleine raus zu gehen.

 

7. Hast du selbst Gewalt/Belästigungen gegenüber Frauen beobachtet, Einheimische oder Touristinnen?

Die einzige Situation wo ich Gewalt oder Belästigung passiv mitgekriegt habe, war als die Freundin mir am nächsten Morgen die Horrorstory erzählt hat. Sie wollte nur zwei Straßen nachts zum Hostel zurück laufen als die Biker ihr zu nahe kamen. Sie fing an zu rennen und schaffte es auf einen Tuk tuk Fahrer zu treffen, der sie schnell mitnahm. Doch auch ihm wurde es zu gefährlich als die Biker sie weiterhin verfolgten. Er setzte sie an einem Krankenhaus ab in dem sie unterkam. Die Krankenschwestern versteckten sie in einem Raum, in dem eine Frau gerade in den Wehen lag. Sie blieb bis zum nächsten Morgen. Sie hatte eine ziemlich heftige Nacht und bereute es ziemlich alleine nachts durch die Stadt gelaufen zu sein.

 

Laos28. Was schätzt du ganz besonders an Laos und was findest du ganz furchtbar?

An Laos schätze ich, dass es noch nicht so überladen ist an Touristen. Es gibt zwar schon die bekannten Backpacker Mekkas wie Vang Vieng, aber das ist auch nicht mehr so wie es vor einigen Jahren war, als die Hauptattraktion noch das Tuben war.

Besonders Don Det auf den 4000 Inseln ist eine der ruhigsten Plätze. Anfangs scheint man keinen großen Unterschied zu den anderen Ländern zu sehen, doch mit er Zeit versteht man, dass in Laos alles anders ist. Alles ist langsamer, alles ist entspannter und vor allem die Natur ist schöner. Man lernt sich zu entspannen und einfach den „Way of Life“ zu akzeptieren.

Schrecklich fand ich meist nur die langen Busfahrten und vor allem die Minibus Fahrten. Unheimlich schnelles Tempo und ziemlich gefährliche Straßen. Aber ehrlich gesagt, ist das in Cambodia oder Tahiland nicht anders.

 

9. Welche Tipps würdest Du einer allein reisenden Frau geben, die zum ersten Mal nach Laos reist?

Ich würde zum Beispiel direkt mit dem Slowboat einreisen, anstatt zu fliegen oder den Bus zu nehmen. Viele Backpacker lernen sich dort kennen und beschließen dann den Rest von Laos zusammen zu erkunden. Da es auch nur eine richtige Route gibt, wird man die meisten Menschen eh wieder treffen. Wenn man wirklich keine Lust auf andere Reisende hat, kann man sich auch schöne Bungalows mieten und locker auch alleine Tempel, Wasserfälle und Höhlen erkunden. Nur wie gesagt nachts sollte man aufpassen.

 

10. Auf einer Skala von 1 (unsicher) bis 5 (sehr sicher) – wie würdest Du Laos einstufen in puncto Reisesicherheit/Gewalt/Kriminalität gegenüber weiblichen Touristen?

Ich würde Laos bei 4 einschätzen. Ich hatte mich allein sowie in einer Gruppe meist sicher gefühlt und durch einfache Sicherheitsvorkehrungen kann man ohne Angst sich frei bewegen. Laos ist ein ganz wunderbares Land, um etwas vom Thailand-Trubel fernzukommen, und jeder, der nachts mal auf der Khao San Road war, wird die gemütlichen Abende in Luang Prabangs bester Bar Utopia sicherlich bestens genießen können.

 

11. Ich nenne Dir ein paar Schlagworte und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt:

Öffentliche Toiletten – Laos ist was viele Sachen angeht etwas zurück in der Zeit. Vor allem öffentliche Toiletten (abgesehen von denen in Restaurants oder Hostels) gibt’s nicht gerade viele.
Lebensqualität – Die Lebensqualität ist gerade durch die entspannte Atmosphäre und der vielen Natur hoch. Das Essen ist super, die Temperatur war auch angenehmer als in Thailand und vor allem der Tourismusandrang viel geringer.

Hostels – Bei Hostels kann man Glück und Pech haben. Es gibt so gut wie nie heißes Wasser und man sollte seine Ansprüche definitiv runterschrauben. Oft kommt man nicht drum herum, auf Bambusbetten zu schlafen und bei eisiger Kälte zu duschen.

Hotpants – In den Touristenspots ist es kein Problem kurze Hosen zu tragen, sie sollten nur vielleicht nicht zu kurz sein. Und meistens hatte ich dann als Ausgleich wieder T-shirts an die über die Schultern gingen. Aber die meisten Einheimischen sind daran gewöhnt, außer man befindet sich irgendwo im nirgendwo oder möchte einen Tempel besuchen.

Gastfreundschaft – Die Gastfreundschaft hab ich jetzt nicht negativ aber auch nicht total positiv empfunden. Sie waren meistens etwas distanzierter, aber freundlich und wie in jedem asiatischem Land trifft man entweder auf lockere oder auf genervte Einheimische.

 

 

MarinaÜber Marina

Ich bin Marina, 21 Jahre jung und seit zwei Monaten von meiner Asien Reise zurück. Neben dem Reisen, studiere ich in Augsburg und kellnere, um mir meine Abenteuer zu finanzieren. Das Interesse am Reisen hab ich von meinen Eltern, die mit mir schon als ich klein war in Afrika und Europa unterwegs waren. Ich bin eher der abenteuerliche Typ, der allein auf Reisen geht und lieber im Mehrbettzimmer im Hostel als im Hotel schläft. Ich bin für jeden Spaß zu haben und was das Reisen angeht, offen gegenüber allen Ländern und Kulturen.
Auf meiner Website www.marinasworlddiary.blogspot.com kann man meine Abenteuer verfolgen.

 

 

 

Mango Verde interviewt im Rahmen der „Als Frau allein in…“ -Reihe allein reisende Frauen in allen Ländern dieser Welt. Du möchtest gern dabei sein und deine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten teilen? Schreibe mir eine Email!

 

Habt ihr Fragen, Anregungen oder eigene Erfahrungen, die ihr gern loswerden würdet? Rein damit in die Kommentare!

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