Als Frau allein in Madagaskar

Als Frau allein in Madagaskar

Madagaskar!? Und schon wieder so ein Reiseziel, dessen Namen man zwar gehört hat, aber irgendwie auch nicht mehr. Es gilt für viele als absolut exotisches Reiseziel. Madagaskar ist flächenmäßig nach Indonesien die zweitgrößte Insel der Welt, reich beschenkt von einer einzigartigen Natur. Die Insel ist der afrikanischen Ostküste vorgelagert und wird durch den Kanal von Mosambik vom Festland getrennt. Madagaskar hat neben seinen weltbekannten Lemuren viel zu bieten: großartige und herzliche Menschen, Palmen, weiße Strände, saftige Felder und fruchtbare Wildnis warten auf abenteuerliebende Reisende. Franziska Krasnici schildert uns ihre Erfahrungen, die sie im Mai diesen Jahres auf ihrer Reise gesammelt hat.

 

 

Hochland nördlich von der Hauptstadt Tana

Hochland nördlich von der Hauptstadt Tana

1. Was hat Dich nach Madagaskar geführt? Welche Orte/Regionen hast Du besucht?

Mich begeistern Destinationen, die touristisch weniger bekannt oder erschlossen sind. Darüber hinaus liebe ich die möglichst unberührte Natur. Von Madagaskar wusste ich nicht so viel, aber irgendwie hatte ich es bereits seit einiger Zeit als potentielles Reiseziel auf meiner „To-Travel“-Liste. Die Punkte, die mir wichtig sind, um in ein Land zu reisen waren erfüllt – somit konnte es dann Anfang Mai 2016 losgehen.

Meine Reise führte mich über die Hauptstadt Antananarivo auf die im Nordwesten gelegene Insel Nosy Be, zurück nach Antananarivo, weiter auf die an der Ostküste gelegene Insel Nosy Bohara – bekannt als Ste. Marie – und dann ins 100 Kilometer nördlich von der Hauptstadt gelegene Anjozorobe-Angavo, dem letzten großen intakten Waldgebiete des madagassischen Hochlandes.

 

2. Wie lange warst Du dort, wie bist du gereist (Bus, Bahn, Taxi, privater Fahrer, Flugzeug etc) und was hast du dort gemacht?

Ich bin 12 Tage zum ganz eigenen Urlaubsvergnügen dort. Das Hauptverkehrsmittel (für längere Distanzen) ist das Flugzeug. Zwischen meinen Hauptzielen hab ich auf die einzige wirkliche Fluggesellschaft Air Madagaskar des Landes zurückgegriffen. Die Monopolstellung ist definitiv nicht hilfreich, wenn es um die Flugpreise geht.

Auf den Insel hab ich auf alles zurückgegriffen, was verfügbar war: TukTuks, Fahrrad-Rikschas, Motorroller, Taxis, Quads, private erfahrene Allradfahrzeug-Fahrer. Letzteres macht definitiv Sinn, wenn man über keine fundierte Erfahrung auf rutschigen Huckelpisten fernab befestigter Straßen verfügt.

 

3. Wie/wo hast du übernachtet und wie hast du deine Wertsachen gesichert (sowohl nachts als auch tagsüber)?

Meine „Wertsachen“, also mein iPhone und meine Kamera, hatte ich stets dabei. Übernachtet habe ich in kleineren Lodges/Bungalow-Hotels, die auf ihre Individualität viel Wert legen.

Nosy Be:             Sangany Lodge

Nosy Boraha:    Natiora Green Lodge und Le Libertalia

Ajozorobe:         Saha Forest Camp

Antananarivo:   Lakecity Hotel

 

Frauen nach der Arbeit auf Nosy Boraha

Frauen nach der Arbeit auf Nosy Boraha

4. Gab es Momente oder Situationen, in denen Du dich unsicher/unwohl gefühlt hast und wenn ja, wann und wo?

Lediglich marginal in bahnhofsnähe des Hauptstadt Antananarivo beim Schlendern in die Stadt. Es gibt sehr viele bettelnde Frauen und Straßenkindern, die lt. Bekannt dafür sind nicht nur zu betteln, sondern auch zu klauen. Sie kamen mit mehreren gleichzeitig auf mich zu, zupften an meiner Kleidung oder am Arm. Ohne darauf einzugehen, bin ich (wie in Indien gelernt) dran vorbei. Sie sind ein wenig mit mir mitgelaufen, habe sich dann jedoch ohne weitere Versuche nach Geld zu fragen verabschiedet. Ich würde jedem raten, sich einfach an die üblichen Empfehlungen zu halten: kein auffälliger Schmuck, keine offenen Taschen.

Wenn man ihnen etwas Gutes tun möchte, empfehle ich Geld an die lokalen Institutionen zu spenden, die sich auf die Unterstützung von Straßenkindern spezialisiert haben. Sie unterstützen durch Ausbildungsmöglichkeiten, medizinische Versorgung und Verpflegung.

 

5. Hast du irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wie z.B. ein Selbstverteidigungskurs, besondere Safety Items in deinem Gepäck, Dokumentensicherung etc. und wenn ja, welche?

Ich führe stets ein aufgeladenes Powerbank mit mir rum J. Ist leider kein Scherz, aber kommen wir lieber zu den wichtigeren Punkten Deiner Frage:

Meine Auslandskrankenversicherungsunterlagen und Ausweiskopien mit einer Nummer eines Verwandten habe ich grundsätzlich bei mir. Sollte mir etwas zustoßen, ich zum Bespiel im Krankenhaus landen, kann direkt Kontakt zu meiner Krankenkasse etc. aufgenommen werden. Insbesondere bei ernsthaften Sachen sind manchmal wenige Minuten entscheidend in denen jemand Fremdes die richtigen Telefonnummern und Daten benötigt. Eine Kostenübernahme bei einer unmittelbar durchzuführenden Operation betreffen können.

Ansonsten sehe ich zu alle Unterlagen papierlos auf meinem Mobiltelefon verfügbar zu haben: Ausweiskopien, Reisedokumente, Notfallnummer meiner Banken, Führerscheinkopien…

 

6. Empfindest Du es generell unsicher, dich als Frau allein durch Madagaskar zu bewegen? Worauf sollte Frau achten? Beschreibe deine Erfahrungen und Learnings.

Ich kann nur für die sprechen, die ich besucht habe und da habe ich mich absolut sicher gefühlt.

Hält Mann oder auch Frau sich an die grundsätzlichen Empfehlungen im Reiseführern oder auf den Seite des Auswärtigen Amtes, ist meines Erachtens alles fein.

 

Strand Nosy Boraha

Strand Nosy Boraha

7. Wieviel Kontakt hattest Du zu den „native“ Madagassen; konntest Du Gastfreundschaft erfahren?

Ich hatte viel Kontakt, das ist ein Grund warum ich Reisen liebe. In andere Kulturen einzutauchen. Jedoch stellte sich die Kommunikation mit den Locals als eine echte Herausforderung dar. Ich musste leider feststellen, dass aus mein Jahr Französisch-Unterricht nichts hängengeblieben ist. Englisch sprechen die wenigsten Madagassen, sodass die Gespräche eine herrliche Mischung aus Französischbrocken, Englisch und einer Kommunikation mit Hand und Fuß waren. Mit ein wenig Geduld auf beiden Seiten funktionierte es jedoch ganz hervorragend. Die Gastfreundschaft war spitze. Man hat sich Zeit genommen, mir auf dem Markt Früchte zu erklären, immer wieder kamen Leute auf mich zu und fragten mich nach meinem Herkunftsland, meinen Eindrücken von Madagaskar. Irgendwie hatte ich selten das Gefühl Tourist im Land zu sein.

 

8. Was schätzt du ganz besonders an Madagaskar und was findest du ganz furchtbar?

Die Natur schätze ich sehr. Fruchtbar fand ich nichts. Mir ist ja klar, dass ich in ein anderes Land reise und die Gegebenheiten andere sind.

 

9. Welche Tipps würdest Du einer allein reisenden Frau geben, die zum ersten Mal nach Madagaskar reist?

Auf jeden Fall flexibel bei der Reiseplanung zu sein, genug Zeit einzuplanen und sich einfach auf Land und Leute einzulassen.

Ich hätte gerne noch mehr gesehen. So gibt es zum Beispiel die bekannte Baobab-Tree-Allee, einmalige Regenwälder und Nationalparks verteilt auf der ganzen Insel, ausgezeichnete Wanderwege im Süden und so weiter. Was man dafür benötigt ist definitiv mehr Reisezeit als 12 Tage. Madagaskar ist eineinhalb Mal so groß wie Deutschland. Die Infrastruktur steckt in den Kinderschuhen, Inlandsflüge gehen in der Regel über die Hauptstadt (oder fallen gerne auch einfach aus), sodass man ganze Tage zum Reisen von A nach B benötigt. Die Anstrengungen werden definitiv mit unvergesslichen Eindrücken belohnt.

 

Mohrenmaki im Nationalpark Lokobe Nosy Be

Mohrenmaki im Nationalpark Lokobe Nosy Be

Mohrenmaki im Nationalpark Lokobe Nosy Be10. Auf einer Skala von 1 (unsicher) bis 5 (sehr sicher) – wie würdest Du Madagaskar einstufen in puncto Reisesicherheit/Gewalt/Kriminalität/Anmache gegenüber weiblichen Touristen? 

4 von 5. Ich hatte eine wunderbare Zeit, es wird jedoch insbesondere in der Hauptstadt regelmäßig von Diebstählen berichtet. Teile des Südens sind laut Reiseführer auch nicht ganz ohne.

 

11. Ich nenne Dir ein paar Schlagworte und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt:

Infrastruktur – Steckt in den Kinderschuhen, Flughäfen gibt es genug, lange Reisezeiten einplanen um von A nach B zu kommen

Öffentliche Toiletten – in der Regel in gastronomischen Einrichtungen ok (für Madagaskar)

Sprachbarriere – Französisch ist der Schlüssel der Kommunikation

Hotpants – Auf den Inseln laufen gerade junge einheimische Frauen relativ freizügig rum. Somit dort völlig ok. In der Hauptstadt würde ich davon abraten.

Umweltschutz – es gibt mit Sicherheit größere Probleme, die das Land derzeit bewerkstelligen muss, bevor es den absoluten Fokus drauf legt.

 

 

Über Franziska

Mein Name ist Franziska Krasnici // 42 bereiste Länder // Flashbackerin // (Street-) Foodie // Abenteurerin // Digitaler Nomade // Sportskanone // naturverliebt // Couchsurfer // Dipl. Betriebswirtin // Master Corporate Communications // reiseverrückt // Festival-Fan // Strandliebhaberin // genieße derzeit eine 3-monatige berufliche Auszeit, nachdem ich sieben Jahre bei E.ON als Leiterin unterschiedlicher Kommunikationsabteilung gearbeitet habe

Auf Ruhrbarone.de berichte ich von meinen Fernreisen (Myanmar), Städte-Trips (Florenz), Outdoor-Erlebnissen und gebe Tipps für Reisebegeisterte. Ich freue mich auf Eure Fragen, Kommentare, geteilte eigene Erfahrungen.

Kontakt: Facebook // LinkedIn // Xing // Email: franziskakrasnici@googlemail.com

 

 

Mango Verde interviewt im Rahmen der „Als Frau allein in…“ -Reihe allein reisende Frauen in allen Ländern dieser Welt. Du möchtest gern dabei sein und deine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten teilen? Schreibe mir eine Email!

 

Habt ihr Fragen, Anregungen oder eigene Erfahrungen, die ihr gern loswerden würdet? Rein damit in die Kommentare!

 

 

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