Als Frau allein in Malawi

Als Frau allein in Malawi

 

Reisen erweitert den Horizont – ganz besonders in den ärmsten Ländern dieser Welt wie Malawi. „Off the beaten path“ – so besonders und interessant der kleine Binnenstaat Malawi in Südostafrika als Reiseland ist, ist auch Hostelbesitzerin Cathrins Lebensgeschichte, die zeigt, wie viele wunderbare Dinge einem passieren können, wenn man offen für Neues ist und immer neugierig auf das Leben bleibt. Wenn ihr mehr über Cathrins Weg und ihr Backpacker Hostel in Osnabrück erfahren möchtet, schaut mal unter www.penthousebp.com ins Netz!

 

1. Was hat Dich nach Malawi geführt? Welche Regionen/Orte hast Du besucht?

Neugier. Tauchen. Es waren nur 3 Wochen und so hatte ich nicht viel Zeit. Ich startete in Lilongwe, fuhr dann nach Mzuzu, um von dort zum Nationalpark „Vwaza Marsh“ zu fahren – da habe ich gezeltet, ein Dorf ist in Laufdistanz vom Parkgate und ich konnte dort ein paar Lebensmittel kaufen, die ich dann selbst am Grill im Nationalpark zubereitet habe.  Danach nach Nkhata Bay und von Nkhota Kota mit dem Boot nach Cape Mc.Clear, zurück nach Lilongwe und nach Hause.

2. Wie lange warst Du dort und wie bist du gereist (Bus, Bahn, Taxi, privater Fahrer, Flugzeug etc)?

Ich war 3 Wochen dort und bin ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln (bus, truck, pickup) gefahren.

3. Wie/wo hast du übernachtet und wie hast du deine Wertsachen gesichert (sowohl nachts als auch tagsüber)?

Ich habe hauptsächlich in Backpackerhostels geschlafen und im ‚Vwaza Marsh“ im eigenen Zelt. Wertsachen.. naja, im Rucksack, wo sonst? Den hatte ich im Zelt an eine Zeltstange angeschlossen, sicher nur eine Proforma Sicherheitsmaßnahme. Tagesmenge Geld hatte ich in der Hosentasche.

4. Gab es Momente oder Situationen, in denen Du dich unsicher/unwohl gefühlt hast und wenn ja, wann und wo?

Beim vereinbarten Taxi zum Rückflug in Lilongwe. Ich sollte schon eine halbe Stunde vor (!) dem vereinbarten Termin zum Taxi kommen und alles war ganz hektisch. Auf dem Wege stellte sich dann ein anderes Auto vor uns quer und die Fahrer diskutierten. Ich nehme an, ich wurde von einem Kumpel des Hostelrezeptionisten abgeholt, der mich dem Taxi „weggeschnappt“ hat. In einem armen Land wie Malawi sicher eine Existenzfrage.

5. Hast du irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wie z.B. ein Selbstverteidigungskurs, besondere Safety Items in deinem Gepäck, Dokumentensicherung etc. und wenn ja, welche?

Keine

6. Empfindest Du es generell unsicher, dich als Frau allein durch Malawi zu bewegen? Worauf sollte frau achten? Beschreibe deine Erfahrungen und Learnings.

Eine Frau muß auf dieselben Dinge achten wie ein Mann, das ist völlig geschlechterunabhängig.

Malawielephant7. Hast du selbst Gewalt/Belästigungen gegenüber Frauen beobachtet, Einheimische oder Touristinnen?

Quatsch. Was soll die Frage? Ich habe Gewalt gegenüber Menschen gesehen, gegenüber Kindern. weil sie hungerten. Nach Brust oder Penis wurde das nicht eingeteilt – übrigens NIE auf meinen Reisen, ganz egal wohin.

8. Was schätzt du ganz besonders an Malawi und was findest du ganz furchtbar?

Ich schätze die Natur an Malawi, die netten Menschen, das Lachen. Ich finde ganz furchtbar, daß so viele Menschen dort trotz des großen Süßwasservorrates so arm sind.

9. Welche Tipps würdest Du einer allein reisenden Frau geben, die zum ersten Mal nach Malawi reist?

Jedem allein reisenden Menschen (egal welchen Geschlechts) würde ich wirklich den Nationalpark „Vwaza Marsh“ empfehlen, der nicht ganz so bekannt, aber wunderschön ist. Elefanten laufen vor dem Camp auf und ab, es ist grandios.

10. Auf einer Skala von 1 (unsicher) bis 5 (sehr sicher) – wie würdest Du Malawi einstufen in puncto Reisesicherheit/Gewalt/Kriminalität gegenüber weiblichen Touristen? Bitte begründe Deine Einschätzung.

5 –  total sicher. Auch hier wieder: für jeden, egal ob männlich oder weiblich. Erst recht, weil die meisten afrikanischen Länder matriarchalisch strukturiert sind.

 

11. Ich nenne Dir ein paar Schlagworte und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt:

Kosten Unterkunft – fast nix

Lebensqualität – Lebensqualität für die Bevölkerung? Armut

Öffentliche Toiletten –  keine Ahnung, über sowas mache ich mir keine Gedanken. Wenn ich muß, gehe ich.

Essen – einfach aber lecker, keine kulinarische Weltreise 😉

Gastfreundschaft – nett, aber nicht aufdringlich. Schon viele Bettler, was ich verstehe in einem der ärmsten Länder der Welt.

 

 

CathrinÜber Cathrin

Ich bin Diplom-Bauingenieur. Architektin. Weltreisende. Hostelbetreiberin. Alles trifft zu – ich bin aber auch ein Mensch, der sich immer vor Verantwortung gedrückt hat: keine Kinder, keine Tiere und oh – keinen Besitz. Ich wollte nie mehr besitzen, als was ich in einer Kiste bei den Eltern im Keller unterstellen konnte, damit ich reisen konnte.

Mein ursprünglicher Beruf als Bauingenieur ermöglichte mir auch mit einem guten Gehalt, nie länger als maximal 3 Jahre auf einem Fleck und bei einem Arbeitgeber zu sein. Es fing mit einer Australienreise an: ich wurde infiziert und mein Lebenslauf sah fortan nur noch befristete Arbeitsverträge vor und neue Reisen. Ich arbeitete auf einer Lehmbaustelle in den Anden in Argentinien, ich bereiste Südafrika, Borneo – und immer auf eigene Faust, immer alleine. Die dritte Australienreise brachte die Wende, ich verliebte mich und landete mit meinem damaligen Freund in Osnabrück. Das Reisen gab ich nicht auf, nur wurden die Reisen kürzer, denn ich eröffnete 2001 mein eigenes Backpackerhostel und holte mir die „Traveller der Welt“ nun nach Hause.

Bauingenieur und Hostellier – für die nächsten 8 Jahre hatte ich nun 2 Vollzeitjobs gleichzeitig und eine Menge Arbeit, aber es war gut, es war alles so, wie ich es mir wünschte. Die Beziehung zerbrach nach 6 Jahren und die Zeit zeigte, dass ich durch die vielen Reisen und damit verbundenen Lebenserfahrungen sehr selbstbewußt geworden war und es nicht leicht war, außer Spielgefährten auch wieder einen echten Partner zu finden. In einer Beziehung muß man Kompromisse machen, heißt es. Und Kompromisse will ich nicht.

So war ich also schon 2 Jahre Single, als ich wiedereinmal zu einer Hostelkonferenz flog. Meiner damaligen Mitarbeiterin Melanie Hoffmann gab ich auf den Weg, möglichst keine Monteure einzuchecken, denn Monteure und Reisende passen nicht immer gut zusammen. während die einen ihre Ruhe nach anstrengendem Arbeitstag brauchen, sind die anderen am Abend doch gerne in ausgelassener Stimmung… Melanie checkte Monteure ein.

Einer davon war Jan Lange. Als ich wiederkam, erlag auch ich schnell seiner Natürlichkeit und seinem Lachen. Der Frühling kam, die Terrasse lockte zum Teetrinken, es wurde auch mal ein Glas Wein draus und wir erzählten uns unsere bewegten Lebensgeschichten.

So lernte ich Jan kennen und seit Anfang April 2008 sind wir ein Paar. Jan brachte Stabilität in mein Leben, ohne das Lachen und die Neugier aufgeben zu müssen. Jan brachte Katzen in mein Leben, und ich weiß nicht, wie ich das ohne diese Felltiere vorher ausgehalten habe. Und Jan brachte ein Kind in mein Leben! Lena stammt aus einer seiner früheren Beziehungen und ich liebe dieses Kind. Eine völlig neue Seite in meinem Leben – denn NIE wollte ich Verantwortung! Regelmäßig alle 6 Wochen verbringt Lena 1 Woche bei uns, jedes Mal eine wunderbare Zeit.

Im Januar 2010 habe ich die Arbeit als Bauingenieur aufgegeben und habe nun ausschließlich mein Hostel, Jan ist inzwischen festangestellt in Oldenburg und wohnt dort auch. Die Wochenenden verbringen wir auf einem kleinen Grundstück in Osnabrück in Jans hellblauem Wohnwagen und sind weiterhin aktiv und viel auf Reisen.

Als ich eine Anzeige vom Niedersächsischen Mühlenverband las, dass dort Freiwillige Müller ausgebildet werden, war ich sofort Feuer und Flamme: altes Bauhandwerk hat mich schon immer fasziniert. Von Februar 2009 bis Februar 2010 verbrachten wir viele Wochenenden in Wind- und Wassermühlen, setzten Segel, schärften Mahlsteine und schlugen Holzkeile nach. Die Prüfung absolvierten wir im Februar 2010 und sind nun „Freiwillige Müller“! Für meine Hostelgäste kann ich das Wissen gut nutzen und mache bei Bedarf Fahrradtouren zu den Mühlen der Umgebung.

Wollten wir uns nun eine Mühle kaufen? Nein, antworteten wir jedes Mal grinsend, wir haben diesen Kurs nur aus Spaß gemacht.

Und nun kommt 1 Jahr später diese Mühle in unser Leben. Unsere Wochenendbeziehung tat schon länger weh – wir wollten gerne mehr Zeit gemeinsam verbringen und ich möchte nach Oldenburg übersiedeln. Mein Hostel in Osnabrück wird weiterbestehen, aber ich werde mindestens 3 Tage pro Woche in Oldenburg sein. Also suchten wir eine Immobilie, die unsere Vorstellungen vom Leben vereint:

Wir möchten Stadt und wir möchten Land.

Wir brauchen ein Katzenparadies.

Ich brauche Architektur, und ich mag das Zusammenspiel von Alt und Neu.

Wir brauchen Platz für den hellblauen Caravan!

Wir mögen handwerkeln und gärtnern.

Wir mögen es einfach.

Auf der Website der Maklerfirma Pfeiffer+Koberstein wurden wir fündig: eine alte Windmühle, die bereits zum Wohnhaus auf einfachstem Niveau umgebaut ist. Wir konnten es nicht glauben! Aus dem Traum wurde mir plötzlich Angst: es ist die alte Angst, ob ich mit der Verantwortung fertig werde. Es nicht zu versuchen und meiner Angst nachzugeben, kommt jedoch nicht in Frage: ich freue mich auf die Renovierung, auf meine Rhabarberstaude im Garten und auf Fahrrad- und Kajaktouren mit Lena und Jan.

Und ich freue mich auf ein Eigenheim, das genau zu uns passt, freue mich auf Kirschkuchen im Garten, auf barfuß durch den Rasen laufen, auf das Atmen der alten Ziegelwände, auf Holzstiegen und Kaminfeuer.

Kompromisse? Die Einstellung, ohne Kompromisse leben zu wollen, ist mir geblieben: mein Leben ist aus meiner Sicht der Dinge ein Glücksfall und ich bin kompromisslos glücklich.

Und seit ich französischen Reisenden davon erzählte, die hier im Hostel gerade weilten, gibt es im Gästebuch eine schöne Zeichnung einer alten, flügellosen Holländerwindmühle…

Inzwischen bin ich seit einem Jahr wieder Single, erst unfreiwillig – nun aber voller Neugier auf neue Reisen, auf ein mögliches zweites Hostel und auf das Leben. Denn das steckt immer voller unerwarteter Überraschungen. Es liegt an uns, diese als Chance zu sehen und aus ihnen einen Schatz zu machen.

 

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