Als Frau allein in Mazedonien

Als Frau allein in Mazedonien

 

Der südosteuropäische Binnenstaat Mazedonien ist mit hoher Arbeitslosigkeit, schwacher Infrastruktur und ethnischen Konflikten kein besonders frequentiertes Reiseland und wird wohl eher von Individualtouristen bereist, die auf der Suche nach einmaliger, unberührter und artenreicher Natur sind. Sandra von Journey to Adventure  kam eher zufällig auf den kleinen Balkanstaat und berichtet über ihre tollen Erfahrungen und Erlebnisse als Frau allein in Mazedonien.

 

Mazedonien21. Warum bist Du ausgerechnet in Mazedonien unterwegs gewesen, wie kam es zu dieser Reisewahl?

Das war ehrlich gesagt alles ziemlicher Zufall. Mir ist in Deutschland Mal wieder die Decke auf den Kopf gefallen und ich musste definitiv wieder raus. Der Blick auf mein Bankkonto machte aber schnell deutlich, dass leider keine großen Sprünge drin sind – das war im Übrigen im Mai 2015. Etwa sechs Wochen zuvor war ich schon allein in Portugal unterwegs und hatte beim Surfen ein irisches Pärchen kennengelernt, das mir ganz begeistert von seiner Zeit in Skopje, der Hauptstadt Mazedoniens, erzählt hatte und wie unfassbar günstig es dort war.

Tatsächlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt aber nicht wirklich eine Ahnung, wo genau Mazedonien eigentlich genau ist. Die einzige Verbindung die ich spontan mit dem Namen verbinden konnte, waren dunkle Kindheitserinnerungen an etwaige Eurovision-Songcontest-Abende… Wie immer hat Mama Google aber schnell geholfen und ich war den Bildern, die die Suchmaschine zum Balkanstaat ausgespuckt hat gleich ziemlich angetan.

 

2. Wie lange warst Du dort und wie bist du gereist (Bus, Bahn, Taxi, privater Fahrer, Flugzeug etc)?

Ich war 10 Tage unterwegs, für meine Verhältnisse also ein richtiger Kurztrip. Ich bin mit Wizzair von Memmingen nach Skopje geflogen und heimwärts dann direkt in meine Heimatstadt Nürnberg. Wizzair ist übrigens ein osteuropäischer Billiganbieter, vergleichbar etwa mit Ryanair. Dadurch war der Flug auch ein ziemliches Schnäppchen. Nachdem ich zwei Nächte in Skopje verbracht hatte, bin ich mit dem Bus nach Ohrid gefahren. Die kleine Stadt liegt direkt am riesigen Ohrid-See, einem der ältesten Seen der Welt und die Region ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Das Busfahren ist übrigens überhaupt keine große Sache und schlicht das makedonische Pendant zum Bahn-Netz bei uns. Wie überall sonst auch, würde ich aber immer nur meinen Backpacker ins Gepäckfach geben, während meine Wertsachen im Tagesrucksack mit auf meinen Sitzplatz kommen.

Um von meiner Unterkunft zum Busbahnhof zu kommen, habe ich mir ein Taxi gegönnt. Auch das ist vor Ort ziemlich günstig. Man sollte hier nur darauf achten, dass entweder mit Taxameter gefahren wird oder im Vorfeld ein entsprechender Preis vereinbart wird. Dass Touristen oder jeder, der danach aussieht, in Sachen Personentransport gerne mal um den ein oder anderen Euro mehr erleichtert wird, ist gefühlt ein Phänomen, dass ich schon überall auf der Welt beobachten konnte. Das Zauberwort ist aber auch hier Selbstbewusstsein. Wer klar sagt, was Sache ist und nicht den Eindruck erweckt, ein leichtes Opfer zu sein, hat weniger Probleme. Klar kann es trotzdem mal passieren, dass man etwas mehr zahlt, als es Einheimische würden. Da ich mir beim Reisen aber ja oft die schwache Währung eines Landes zu nutze mache, um günstig unterwegs sein zu können, finde ich das persönlich aber nicht schlimm und gebe vor allem ehrlichen Fahrern gerne ein größeres Trinkgeld.

 

3. Wie/wo hast du übernachtet und wie hast du deine Wertsachen gesichert (sowohl nachts als auch tagsüber)?

In Skopje, habe ich im Hostel übernachtet, in Ohrid in einer kleinen Pension. Wenn ich kein Privatzimmer habe, achte ich darauf, dass ein verschließbares Fach am Bett vorhanden ist. Für diesen Fall habe ich im Übrigen auch immer ein großes Vorhängeschloss im Gepäck. Meine Wertsachen (Laptop, Dokumente und Co.) kommen dann tagsüber wie auch nachts in das abgeschlossene Fach. Wenn ich unterwegs bin habe ich dann nur einen kleinen Geldbeutel mit meinem Tagesbudget dabei. Grundsätzlich nehme ich auch nie zu viel Bargeld mit. Soll heißen ich wechsle eigentlich nie meine gesamte Reisekasse schon in Deutschland und nehme dann alles in Bar mit sondern hebe mit meiner Kreditkarte erst vor Ort etwas ab. Dann aber auch nie große Summen sondern immer nur so viel, dass ich für 3-4 Tage über die Runden komme. Damit ist dann nämlich auch im schlimmsten Fall nie gleich mein gesamtes Geld weg und eine Kreditkarte lässt sich im Worst Case eben auch schneller sperren.

 

4. Gab es Momente oder Situationen, in denen Du dich unsicher/unwohl gefühlt hast und wenn ja, wann und wo?

Eigentlich nicht. Zugegeben, wenn ich abends in einer großen Stadt unterwegs bin und alleine nach Hause laufe, ist mir schon Mal etwas mulmig zu mute. Das ginge mir in Deutschland aber genauso und hat im Grunde nichts mit Skopje oder Mazedonien zu tun. Natürlich kommt in diesem Fall noch die Sprachbarriere hinzu, und dass ich mich nicht wirklich auskenne. Mein unterirdischer Orientierungssinn ist da auch keine große Hilfe…

Eine Situation gab es aber tatsächlich. Ich wollte im Galicica-Nationalpark wandern gehen und bin – nach langem Suchen nach dem richtigen Bus – dann irgendwo auf ungefährer Höhe des Nationalparkzentrums vom Fahrer raus gelassen worden (eine richtige Haltestelle gab es da nicht). Ich war zu der Zeit auch mit einer Freundin unterwegs. Weil es anscheinend noch Nebensaison war und die Wanderwege noch nicht richtig beschildert waren, haben wir uns – nachdem wir uns zuvor schon ordentlich verfranzt hatten – entschieden der Gebirgsstraße bis zum Kloster St. Naum an der albanischen Grenze zu folgen. Eine wirklich hübsche Strecke, die uns durch dutzende kleine Dörfer geführt hat. Da haben wir dann auch für Aufsehen gesorgt, weil es glaube ich einfach ungewöhnlich ist, dass zwei Ausländerinnen mal eben durch die Gemeinde watscheln. Jedenfalls stand dann irgendwann ein sehr alter Mann auf der Straße, der uns dann gefolgt ist, während er mit einem Schraubenzieher in der Hand wild rumgefuchtelt hat und etwas auf makedonisch gemurmelt hat… Ziemlich unheimlich. Zum Glück waren wir aber besser zu Fuß unterwegs und sind einfach in einem Affenzahn weitergelaufen. Wahrscheinlich wollte uns der gute Mann nur zum Kaffee einladen oder uns fragen, ob wir uns verlaufen haben… die Freuden der Sprachbarriere eben.

 

Mazedonien35. Hast du irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wie z.B. ein Selbstverteidigungskurs, besondere Safety Items in deinem Gepäck, Dokumentensicherung etc. und wenn ja, welche?

Ein Selbstverteidigungskurs steht schon viel zu lange auf meiner To-Do-Liste!! Bisher hab ich es aber nie geschafft. Ich finde so einen Kurs aber durchaus wichtig und sinnvoll!! Es geht ja nicht nur darum im Ernstfall zu wissen, wie man reagiert und sich verteidigen kann sondern darum, selbstbewusst aufzutreten. Das reicht meist nämlich schon aus, um kritische Situationen zu vermeiden.

Ich reise wahnsinnig gerne, auch allein. Und weiß es besonders zu schätzen spontan von einem Ort zum nächsten reisen zu können, ohne Plan ohne Verpflichtungen und Situationen einfach auf mich zukommen zu lassen. Um diese Freiheit wirklich genießen zu können ist ein entsprechendes Sicherheitsnetz für mich aber unabdingbar. Man muss sich das einfach vor Augen führen, ich bin allein unterwegs, irgendwo in der Welt, einige hundert oder tausend Kilometer weg von Zuhause. Ich finde es etwas ganz wunderbares, dass das in unser modernen Welt eine selbstverständliche Möglichkeit ist. Damit das so bleibt, nutze ich modern Technik, um mich abzusichern. Früher hätte ich empfohlen Kopien der wichtigsten Dokumente (Pass, Notfallkontaktdaten der Bank etc.)mitzunehmen und an sicherer Stelle zu verwahren, um für den Fall, dass mir mal etwas geklaut wird Zugang zu meinen Daten zu haben. Diese Methode praktiziere ich zwar weiterhin, lege mir meine ganzen Kopien aber zusätzlich noch in digitaler Form in meine Dropbox oder einen anderen Cloud-Anbieter.

Der Vorteil: Selbst wenn einmal alles weg ist, genügt ein Gang ins nächste Internetcafé und ich habe alles griffbereit. Außerdem mache ich den Ordner meiner Notfallkontaktperson (die habe ich immer) zuhause zugänglich. Sollte ich Beispielsweise im Krankenhaus landen und mich selbst nicht um den Papierkram kümmern können, hat derjenige dann die Möglichkeit die wichtigsten Schritte von Deutschland aus einzuleiten. Außerdem habe ich immer einen Notfallfond von etwa 100€ einstecken, damit ich im Fall der Fälle nicht völlig blank dastehe und ich, bis ich mir etwa Geld über Western Union geschickt habe, über die Runden komme. Das klingt jetzt alles furchtbar aufwendig, aber einmal angelegt, lässt sich die Methode für jede einzelne Reise wieder verwenden, ob Mazedonien, Thailand oder Mexiko und ich kann es wirklich jedem nur empfehlen.

 

6. Empfindest Du es generell unsicher, als Frau allein durch Mazedonien zu reisen?

Überhaupt nicht. Um ehrlich zu sein, sehe ich in den wenigsten Ländern ein Problem darin alleine als Frau unterwegs zu sein. Klar gibt es Orte auf der Welt, in denen man seine Reise als Frau anders gestalten muss, als etwa als Mann. Mazedonien ist aber definitiv keiner dieser Orte. Ich glaube, dass Frau es in gewissen Punkten sogar einfacher hat. Wenn man mal Hilfe braucht etwa oder mit einem kleinen Lächeln über den Zimmerpreis verhandelt, könnte ich mir vorstellen, dass man sogar etwas schneller Gehör findet als unsere männlichen Kollegen.

 

7. Hast du selbst Gewalt/Belästigungen gegenüber Frauen beobachtet, Einheimische oder Touristinnen?

Nein.

Mazedonien18. Was schätzt du ganz besonders an Mazedonien und was findest du ganz furchtbar? Was ist dein Lieblingsort?

Mazedonien ist einfach noch so ein kleiner Geheimtipp. Der kleine Binnenstaat hat eine unfassbar schöne Landschaft, super herzliche Landsleute und fantastisches Essen!! Ohrid ist wirklich etwas besonderes (war dieses Jahr wieder dort). Man kann sich das Städtchen am See ein bisschen wie viele Orte am Gardasee vorstellen – nur vor 20 Jahren, günstiger und nicht so überlaufen. Nur eben etwas osteuropäischer. Furchtbar fand ich eigentlich nichts. Klar Skopje ist jetzt kulturell nicht gerade der Überflieger und hat außer seinen gefühlt zehntausend Statuen nicht so viel zu bieten, letztlich nutze ich die Stadt aber ja auch nur als An- und Abreisepunkt, also alles völlig in Ordnung.

 

9. Welche Tipps würdest Du einer allein reisenden Frau geben, die zum ersten Mal nach Mazedonien reist?

Die meisten Sachen habe ich oben ja schon genannt: Lege dir entsprechende Sicherheitskopien deiner Dokumente an, trage nicht zu viel Bargeld mit dir herum und trete selbstbewusst auf. Außerdem kann es nicht schaden Abfahrtszeiten für Bus und Co. nochmal in deiner Unterkunft gegen checken zu lassen. Die online aufgeführten Zeiten scheinen manchmal gefühlt doch nur ungefähre Richtlinien zu sein. Außerdem sollte man dir in deiner Unterkunft sagen können, was ein Taxi von A nach B kosten sollte. Reise mit Sinn und Verstand und höre auf dein Bauchgefühl. Dann steht deinem Abenteuer nichts mehr im Wege

 

10. Auf einer Skala von 1 (unsicher) bis 5 (sehr sicher) – wie würdest Du Mazedonien einstufen in Punkto Reisesicherheit/Gewalt/Kriminalität gegenüber weiblichen Touristen? Bitte begründe Deine Einschätzung.

4. Ich glaube absolute Sicherheit gibt es nicht, auch nicht in Deutschland und ein paar Idioten gibt es nun mal überall. Das heißt es kann natürlich immer etwas passieren. Ich würde das Risiko in Mazedonien aber nicht höher einschätzen, als zu Hause.

 

11. Ich nenne Dir ein paar Schlagworte und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt:

Gastfreundschaft – wird hier gelebt, Makedonier sind freundlich und vor allem Gastronomie kann man hier genießen.

Öffentliche Toiletten – wie bei uns. Mal unterirdisch, mal gerade so noch annehmbar

Drogen & Alkohol – mit ersterem habe ich nichts am Hut, kann dazu also nichts sagen. Alkohol mag man hier besonders stark und so kann der im Restaurant kredenzte Absacker schon mal so richtig brennen.

Hotpants – die Frauen hier sind eher geschlossen unterwegs, dafür steht man auf auffällige Schuhe oder Accessoires. Wenn man selbst halb nackt rumläuft zieht man schon die Blicke auf sich, es ist jetzt aber nicht völlig verpönt. Alles ziemlich europäisch.

Essen & Magenverstimmung – das Essen ist eines der großen Highlights in Mazedonien!! Viel Grillfleisch, leckere Salate, himmlisches Gebäck, frisches Obst vom Markt und, und, und… Es schien mir immer sehr sauber zu sein und ich hatte nie auch nur im Ansatz Probleme.

 

 

SandraMazedonienÜber Sandra

Hi, ich bin Sandra, Journalistin und Weltenbummlerin. Mir liegt die Wanderlust schlicht im Blut. Deswegen halte ich es auch nie lange in meiner fränkischen Heimat aus, bevor mich der Deutschland-Blues wieder überkommt und ich mich mit meinem Backpacker in ein neues Abenteuer stürze. Nach dem Motto „Dein Leben. Dein Abenteuer“, schreibe ich auf meinem Blog „Journey to Adventure“ über meine Reisen, gebe Tipps zu verschiedensten Destinationen und beantworte alle Fragen rund um das Thema Backpacking.
Ihr findet mich auch auf Facebook, Instagram und Twitter.

In Mazedonien habe ich ein noch ziemlich unterschätztes kleines Juwel im Balkan gefunden. Alle wichtigen Infos zum Backpacking vor Ort habe ich dir mit „Backpacking Mazedonien“ zusammengetragen.

 

 

Mango Verde interviewt im Rahmen der „Als Frau allein in….“- Reihe allein reisende Frauen in allen Ländern dieser Welt. Du möchtest gern dabei sein und deine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten teilen? Schreibe mir eine Email!

 

Habt ihr Fragen, Anregungen oder eigene Erfahrungen, die ihr gern loswerden würdet? Rein damit in die Kommentare!

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Comments
  • Irena
    Antworten

    Hi Sandra, ich komme aus Mazedonien. Mein Heimatstadt ist Ohrid. Du hast wärend die 10 Tage Mazedonien wirklich erlebt und sehr wahrhaft beschrieben. Ich gratuliere und ich wünshe dir viel Spaß und viele schöne Erlebnisse bei deinen weiteren Reisen????
    Irena

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