Als Frau allein in Mexiko

Als Frau allein in Mexiko

 

„Arriba! Arriba! Ándale! Ándale!“ – spätestens seit Speedy Gonzales durchs Fernsehen geflitzt ist, haben wir bei dem Wort „Mexiko“ den gelben Sombrero vor Augen. Anky aus Berlin hat es etwas langsamer angehen lassen und ganz ohne Sombrero auf eigene Faust das Land erkundet, nachdem es ihren geplanten Praktiumsplatz in Mexiko Stadt schlichtweg gar nicht gab. Ihren holprigen Start und was sie tolles daraus gemacht hat, könnt ihr hier lesen  – und wer Lust auf mehr hat, besucht Anky einfach bei Instagram!

 

1. Was hat Dich nach Mexiko geführt? Welche Regionen/Orte hast Du besucht?

Ich wollte gerne in einem lateinamerikanischen Land ein Praktikum machen, da mir die Kultur gut gefällt und ich mein Spanisch aufbessern wollte. Als ich eine Ausschreibung für einen Praktikumsplatz in einer Austauschorganisation in Mexiko Stadt sah, ergriff ich die Chance und bewarb mich. Zwei Skype-interviews später bot man mir den Praktikumsplatz an und ich buchte Flüge nach Mexiko. Als ich dann allerdings ein halbes Jahr später bei meinem neuen Arbeitgeber auf der Matte stand, herrschte dort große Verwirrung, da niemand von meiner Ankunft oder meiner Stelle wusste. Die Chefin der Organisation hatte zwischenzeitlich gewechselt und eine ordentliche Übergabe scheinbar versäumt, sodass ich als Überraschungsgast auftauchte. Nach einigem Hin und Her stellten wir dann auch gegenseitig fest, das es für mich dort keine sinnvollen Tätigkeiten gab und so entschied ich mich meine 3 Monate anderweitig sinnvoll zu nutzen und das Land zu erkunden.

Mexiko22. Wie lange warst Du dort und wie bist du gereist (Bus, Bahn, Taxi, privater Fahrer, Flugzeug etc)?

Ich war drei Monate lang unterwegs und bin mit Überlandbussen gefahren, meistens am Tag, bei besonders langen Strecken auch mal über Nacht. Nur kurz vor Schluss meiner Reise bin ich die Etappe Cancun – Mexiko Stadt geflogen, da ich nicht mehr so viel Zeit hatte und die Busreise 30 Stunden dauert. In den Städten bin ich meist zu Fuß unterwegs gewesen, manchmal habe ich Taxis von den Busbahnhöfen zum Hostel genommen, wenn ich erst abends an kam. In Mexiko Stadt selbst bin ich viel U-Bahn gefahren.

 

3. Wie/wo hast du übernachtet und wie hast du deine Wertsachen gesichert (sowohl nachts als auch tagsüber)?

Ich habe in Hostels übernachtet, die in den allermeisten Fällen über Locker verfügten. Ich hatte mein eigenes Schloss dabei, sodass ich immer alles gut wegschließen konnte. Waren die Locker groß genug, habe ich meinen ganzen Rucksack tagsüber sowie nachts darin eingeschlossen. Wenn sie kleiner waren, dann habe ich meinen Pass, meinen Laptop, meine Kreditkarte und nachts auch meine Kamera darin eingeschlossen. Mein Handy hatte ich eigentlich die ganze Zeit bei mir. In den Bussen hatte ich meine Wertsachen bei mir, nur den Laptop habe ich im Rucksack gelassen, weil er mir zu schwer war. Die Kreditkarte hatte ich in einer kleinen Tasche, die man am BH befestigen kann. Auf manchen Busstrecken wurde mir allerdings empfohlen meine Wertsachen nicht bei mir, sondern unten in den großen Rucksack zu packen, da die Busse ab und zu ausgeraubt werden und dabei von den Passagieren alles mitgenommen wird, was diese grad bei sich führen. Mir ist das nicht passiert und ich kenne auch niemandem, dem es passiert ist, aber der Rat wurde mir von ein paar Mexikanern gegeben.

4. Gab es Momente oder Situationen, in denen Du dich unsicher/unwohl gefühlt hast und wenn ja, wann und wo?

Um ehrlich zu sein nur am allerersten Tag, als ich zum ersten Mal im Tageslicht aus dem Hostel getreten bin und schlicht gar nicht wusste, was auf mich zu kommt. Ich wurde dann aber von dem guten Freund einer Freundin abgeholt, der um die Ecke wohnte und er hat mich rumgeführt und mir die Gegend gezeigt. Ich hab dann relativ schnell ein Gefühl für das Land entwickelt und hab mich danach immer sicher gefühlt. In den Städten ist man in den historischen Zentren immer gut aufgehoben und die Hostelbesitzer sind die besten Ansprechpartner, wenn es um sichere und weniger sichere Stadtviertel geht.
Mexiko5. Hast du irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wie z.B. ein Selbstverteidigungskurs, besondere Safety Items in deinem Gepäck, Dokumentensicherung etc. und wenn ja, welche?

Ich habe meinen Pass kopiert und die Kopie immer getrennt vom Pass selbst aufbewahrt.Außerdem hatte ich nicht mein normales Telefon dabei, sondern ein älteres Iphone, das ich dann mit einer mexikanischen Sim-Karte benutzt habe. Und natürlich das kleine Umhängeschloss für Locker in Hostels und die Kreditkartentasche, die man am BH festmacht.

 

 

6. Empfindest Du es generell unsicher, dich als Frau allein durch Mexiko zu bewegen? Worauf sollte frau achten? 

Dazu kann ich ganz klar Nein sagen. Ich habe sehr viele allein reisende Frauen getroffen, die, wie ich, eine sehr schöne Zeit voller toller neuer Erfahrungen hatten. Die größten Probleme, von denen ich gehört habe, waren überteuerte Preise beim Taxi oder auf Märkten und keine Bereitschaft der Verkäufer, das einzusehen. Da lag dann aber immer auch eine Sprachbarriere vor, d.h. sie haben kein Spanisch gesprochen.

 

7. Hast du selbst Gewalt/Belästigungen gegenüber Frauen beobachtet, Einheimische oder Touristinnen?

Auch das habe ich nicht. Der generelle Umgang mit Frauen war respektvoll und freundlich, besonders Mütter werden überall sehr geehrt. Was mit eher aufgefallen sind, sind die vielen knutschenden Pärchen in den Parks und auf jeder verfügbaren freien Bank.

 

8. Was schätzt du ganz besonders an Mexiko und was findest du ganz furchtbar?

Ich habe mich in den drei Monaten in das Land verliebt, auch wenn es keine Liebe auf den ersten Blick war. Besonders toll war die Gastfreundschaft vieler Menschen. Bekannte, die ich nur durch Freunde kannte, haben mir mehrere Male bereits beim ersten Treffen angeboten, dass ich bei ihnen statt im Hostel wohnen kann, um Geld zu sparen. Vollkommen selbstverständlich wurde ich dann auch in Familienfeste eingebunden. Das war besonders toll, weil ich Mexiko so auf eine ganz andere und viel tiefere Art kennen gelernt habe.
Ganz furchtbar fand ich allerdings Cancun. Obwohl ich mich von der Hotelzone fern gehalten habe, war es dort überall teurer und seelenlos, vor allem im Vergleich zu allen anderen Orten, an denen ich war.
Mich auf einen Lieblingsort festzulegen, fällt mir um ehrlich zu sein super schwer. Es gibt sehr viel landschaftliche wunderschöne Orte wie Punta Cometa an der Pazifikküste oder Tulum, aber mein wirklicher Lieblingsort ist vermutlich die Hauptstadt Yucatans, Merida. Mir gefällt, dass Merida eine lebendige Stadt mit sowohl historischem Viertel als auch neuen Ecken ist, dass dort ganz verschiedene Leute leben und nicht nur Tourismus herrscht. Es ist nicht Mexiko Stadt, das riesig und sehr unterschiedliche geprägt ist, sondern eine mittelgroße Stadt mit einem besonderen Ambiente und tollem, warmen Klima.

 

AnkyMex9. Welche Tipps würdest Du einer allein reisenden Frau geben, die zum ersten Mal nach Mexiko reist?

Das, was mir am meisten geholfen hat war, Spanisch zu sprechen. Obwohl man sich auch mit Englisch in den meisten Fällen irgendwie verständigen kann, macht es einfach viel mehr Spaß sich unterhalten zu können und so mehr von Land und Leuten kennen zu lernen. Ich würde empfehlen, sich durch die Städte treiben zu lassen, an den zentralen Plätzen eine Pause zu machen, zu beobachten, was dort alles passiert und auch einfach mal jemanden ansprechen und nachfragen, wen man nicht weiß, was da grad vor sich geht. Das waren die allerbesten Erfahrungen.
Außerdem sollte man sich nicht um Fragen bezüglich der eigenen Sicherheit reinsteigern. Natürlich mit gesundem Menschenverstand durch die Gegend laufend, nicht alleine abends in unbekannte Viertel aufbrechen und auch ansonsten nichts machen, auf das man auch Zuhause aus Sicherheitsbedenken nicht kommen würde.
10. Auf einer Skala von 1 (unsicher) bis 5 (sehr sicher) – wie würdest Du Mexiko einstufen in puncto Reisesicherheit/Gewalt/Kriminalität gegenüber weiblichen Touristen? Bitte begründe Deine Einschätzung.

Ich würde Mexiko eine 3 geben, da es in vielen Gegenden im Norden des Landes und in den peripheren Gegenden der Städte als allein reisende Frau auf jeden nicht leicht ist, da dort jeder, der nicht von dort kommt sehr argwöhnisch beobachtet wird und seine Anwesenheit nicht immer toleriert wird. Ein mexikanischer Freund von mir hat mir erzählt, dass er selbst sich dort auch nicht sicher fühlt. Achtet man aber auf ein paar Dinge und meidet Gegenden, von denen explizit abgeraten wird, können Frauen sich gut und sicher fortbewegen.

 

11. Ich nenne Dir ein paar Schlagworte und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt:

Acapulco – Ich weiß, dass Acapulco von einem Badeparadies zu einem Ort mit sehr gefährlichem Ruf geworden ist. Ich selbst war allerdings nicht dort.

Drogenhandel – Floriert in Mexiko. Gerade die Gegenden im Norden des Landes sind fest in den Händen unterschiedlicher Drogenkartelle und sollten von unerfahrenen Touristen am besten gemieden werden. Drogen sind überall leicht zu bekommen, die Strafen beim Erwischtwerden sind allerdings sehr hoch und werden bei Ausländern sehr viel strenger verfolgt.

Öffentliche Toiletten – Da musste ich jetzt erstmal überlegen, ob es viele gab. Oft kann man die Toiletten überwachter Parkplätze gegen ein paar Pesos benutzen. In Märkten sind auch häufig Toiletten in versteckten Ecken. Generell sollte man nicht zu zimperlich sein und vor allem das Toilettenpapier niemals ins Klo werfen

Hotpants – Wers tragen kann los, besonders in Yucatan und anderen heißen Gegenden tragen viele Mädels Hotpants.

Essen & Magenverstimmung – Ich habe sehr oft an Straßenständen gegessen und hatte nur ein Mal eine Magenverstimmung, nachdem ich Fisch-Tacos in einem Restaurant bestellt hatte. An Straßenständen ist das Essen so stark durchgegart oder frittiert, das eigentlich nichts passieren kann. Ich würde einfach immer zu dem Stand mit der längsten Schlange gehen, das muss einfach der Beste sein.

 

AnkyÜber Anky

Ich bin Anky aus Berlin, habe Kulturwissenschaften studiert und arbeite als freie Autorin und Freelancer. Seit ein paar Jahren treibt es mich immer wieder raus in die Welt und ich erkunde neue Ecken unserer Erde, mal alleine, mal mit Freunden, ganz wie es sich ergibt und berichte gerne darüber, wie es mir währenddessen so ergangen ist. Ich freue mich, wenn du mich auf Instagram besuchst!

 

 

Mango Verde interviewt im Rahmen der „Als Frau allein in….“- Reihe allein reisende Frauen in allen Ländern dieser Welt. Du möchtest gern dabei sein und deine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten teilen? Schreibe mir eine Email!

 

Habt ihr Fragen, Anregungen oder eigene Erfahrungen, die ihr gern loswerden würdet? Rein damit in die Kommentare!

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