Als Frau allein in Schweden

Als Frau allein in Schweden

 

Der erste Gedanke bei dem Wort „Schweden“ ist wohl bei fast jedem ein großes, internationales Möbelhaus, der zweite Gedanke sind Mücken. Dass das Königreich im hohen Norden aber noch viel mehr zu bieten hat als Billy und Moskitos, zeigt uns Katrin, die vier Monate als Frau allein in Schweden unterwegs war und hier ihre Erlebnisse und Erfahrungen teilt:

Schweden11. Was hat dich nach Schweden geführt? Welche Orte/Regionen hast du besucht?

Ich war vor vielen Jahren mit einer Freundin und Ihrer Familie in Schweden. Ich habe nicht viele Erinnerungen an die Zeit, aber die wenigen sind mehr als positiv. Ich kann mich erinnern, dass wir fast jeden Tag schwimmen waren, nachmittags Blaubeeren im Wald gepflückt haben und abends am Lagerfeuer gesessen haben. Diese Erinnerungen wollte ich unbedingt noch einmal auffrischen! Mein erstes Ziel in Schweden war Göteburg. Diese wunderschöne Stadt habe leider viel zu kurz besucht. Danach ging es weiter nach Strängnäs, in der Nähe von Uppsala auf eine Farm. Mein weiterer Weg führte über Falköping nach Stockholm und von da aus Ende Juli zurück nach Hause.

2. Wie lange warst du dort und wie bist du gereist?

Ich war insgesamt vier Monate in dem wunderschönen Schweden. Gereist bin ich nur mit Bus und Bahn, sowohl in Schweden wie auch auf der Hin-und Rückreise nach Hause. Der Umwelt zuliebe und weil ich Zugfahren liebe. Trotz einiger Verspätungen bin ich immer gut und sicher angekommen und das Bus-und Zugnetz in Schweden ist sehr gut, solange man sich nicht sehr im ländlichen Gebiert befindet.

3. Wie/wo hast du übernachtet und wie hast du deine Wertsachen gesichert?

Ich habe meistens bei Hostfamilien auf den Farmen übernachtet, aber auch in Hostels und in Airbnb Unterkünften.    Auf den Farmen hatte ich meine Wertsachen immer in meinem Zimmer, dass ich mir meistens mit anderen geteilt habe. In den Hostels habe ich meine Wertsachen immer in die Spinde eingeschlossen und Handy und Schlüssel zum Spind immer mit ins Bett genommen. Mir ist zwar nie etwas gestohlen worden, ich wollte aber einfach von vornherein vorsichtig sein. In den Airbnb Unterkünften hatte ich alle Wertsachen immer mit mir in meinem Rucksack, sobald wir aus der Wohnung gegangen sind.

Schweden34. Gab es Momente oder Situationen, in denen du dich unsicher/unwohl gefühlt hast und wenn ja, wann und wo?

Es gab während meiner gesamten Zeit eigentlich keine Situation, wo ich mich wirklich unsicher gefühlt habe. Die meisten Informationen gab es in mehreren Sprachen, alles war sehr gut ausgeschildert und alle Menschen sehr hilfsbereit. Im Gegensatz zu den Deutschen spricht in Schweden nahezu auch jeder fließend Englisch. Bei Fragen war es daher  kein Problem jemanden zu finden, der einem helfen konnte. Ein bisschen verloren habe ich mich auf einem der kleinen Bahnhöfe gefühlt, wo ich den Zug wechseln musste. Es war Sonntag, alle Geschäfte hatten zu und ich war komplett alleine dort. Ich denke, diese Situation könnte einem aber überall passieren. 

5. Hast du irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wie z.B ein Selbstverteidigungskurs, besondere Safety Items in deinem Gepäck, Dokumenten Sicherung etc. und wenn ja, welche?

Da Schweden ein sehr sicheres Land ist, habe ich nicht allzu viele Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Was ich allerdings immer wichtig finde wenn man reist ist, dass man seine Dokumente sowohl als Kopie mit sich trägt, wie auch im Internet speichert. Das habe ich nicht nur mit meinem Reisepass und Ausweis gemacht, sondern auch mit Kreditkarten, Passwörtern, und Tickets. Für die Sicherung im Internet würde ich Dropbox sehr empfehlen, dort kann man alles auch offline speichern. So hat man auch ohne Internet uneingeschränkten Zugriff. Die Kopien der Dokumente sollte man immer getrennt zu den Originalen aufbewahren. Ein tragbares Aufladegerät kann in stressigen Situationen von Nutzen sein, sonst gibt es in Schweden aber auch überall am Bahnhof oder in den Unterkünften Steckdosen.

6. Empfindest du es generell unsicher, dich als Frau alleine durch Schweden zu bewegen? Worauf sollte man als Frau achten? 

Schweden ist definitiv ein sehr sicheres Land. Für den ersten Solo Trip absolut empfehlenswert! Wie in jeden anderen Land auch, sollte man seine Wertsachen immer nah am Körper tragen. Ansonsten würde ich mich immer selbstsicher durch das Land bewegen,

7. Hast du Gewalt/Belästigung gegenüber Frauen beobachtet, Einheimische oder Touristen?

Gewalt habe ich keine gesehen. Jedoch gab es vor allem in den größeren Städten viele bettelnde Menschen, die manchmal recht aufdringlich wurden. In Göteburg wurde ich von einer Frau angesprochen, die erst weitergegangen ist, als ich meine Ablehnung deutlicher gezeigt habe. Das war aber auch das Einzige, was man als Belästigung zählen kann.

Schweden28. Was schätzt du ganz besonders an Schweden und was findest du ganz furchtbar?

Das erste was mir in den Sinn kommt, wenn ich an die schönen Seiten von Schweden denke, sind die Wälder. Sobald man sich ein bisschen nördlicher befindet, gibt es sie überall und auf riesigen Flächen. In den Wäldern dort fühlt man sich wie in einem Märchenwald, die Ruhe dort ist unglaublich. Während meiner Zeit dort hab ich auch die vielen Seen zu schätzen gelernt. Anfang April waren sie noch ziemlich kalt aber an heißen Tagen sehr angenehm zum schwimmen, ganz Schweden ist durchzogen mit großen und kleinen Seen. Furchtbar sind definitiv die vielen Mücken und ein großer Nachteil, sind die fast nicht vorhandenen Bus- und Zugnetz in ländlichen Gegenden.

9. Welche Tipps würdest du einer allein Reisenden Frau geben, die zum ersten Mal nach Schweden reist?

Definitiv empfehlenswert für eine angenehme Reise in Schweden ist Englisch. Damit bekommt man so ziemlich jede Auskunft von jedem, der gerade zum Ansprechen da ist. Englisch sprechen dort schon die Schulkinder und die älteren Leute sowieso. Ansonsten muss man recht viel Geld einplanen, da generell in Skandinavien vieles teurer ist als Deutschland. Im Sommer würde ich auf jeden Fall etwas gegen Mücken mitnehmen, sei es Mückenspray oder kühlendes Gel gegen den Juckreiz. Ansonsten ist eine VISA Karte absolut empfehlenswert. Die meisten Schweden zahlen so ziemlich alles mit Kreditkarte und in einigen Bussen kann man nicht mehr ohne Karte bezahlen.

10. Auf einer Skala von 1(unsicher) bis 5(sicher), wie würdest du Schweden einstufenden in Punkto Reisesicherheit/Gewalt/Kriminalität gegenüber weiblichen Touristen? Bitte begründe deine Einschätzung.

Ich würde Schweden definitiv eine 5 geben! Mir ist erstens während meiner ganzen Reise dort nichts passiert, zweitens würde ich es ähnlich wie Deutschland einschätzen. Die Kriminalität ist in Schweden nicht sehr hoch, alle Leute die ich getroffen waren ausgesprochen hilfsbereit und ich habe mich überall sehr sicher gefühlt.

Ich nenne die ein paar Schlagworte und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt:

Essen und Magenverstimmung – Das Essen in Schweden ist sehr europäisch und meist von sehr guter Qualität. In Restaurants bekommt man oft auch internationale Gerichte, vieles ist mit Fleisch. Ich hatte während meiner Monate in Schweden keine Probleme mit dem Essen. Auswärts Essen gehen ist allerdings ziemlich teuer, weshalb ich es nicht allzu oft gemacht habe. 

Moskitos – Dieses Vorurteil von Schweden ist leider mehr als wahr. Schon Anfang April waren einige unterwegs, je später im Jahr desto mehr wurden es. Wenn man sich manchmal schon in Deutschland über Mücken beklagt, dann sollte man besser nicht in den heißen Sommermonaten nach Schweden reisen. Vor allem in den Abendstunden kann man nicht mehr entspannt draußen sitzen, da man ständig auf seine Haut aufpassen muss. Dabei ist es aber im Norden schlimmer als im Süden.

Öffentliche Toiletten – Ein großes Lob! Die meisten sind sehr sauber und ordentlich, allerdings auch oft kostenpflichtig.

Hotpants – Sobald die Sonne rauskommt hat sie jeder an, die meisten Schweden sind dabei noch sehr modern. Außer, dass die Moskitos mehr Haut zum angreifen haben, gibt es in Schweden kein Problem.

Umweltschutz – Was dieses Thema angeht, ist Schweden einer der Vorreiter. In Schweden gibt es 26 Nationalparks und die Forstwirtschaft wird streng kontrolliert. Die Schweden achten zudem auch auf strikte Mülltrennung, das meiste wird recycelt. Über andere Themen bin ich bis jetzt noch nicht gestolpert.

 

Schwerden4Über Katrin

Hi, ich bin Katrin!

Ich bin mittlerweile schon 20 Jahre alt und auf dem Weg zu meinem Studium. Zuhause bin ich in Wuppertal, wo man die Aussicht aus der Schwebebahn genießen kann. In meiner Freizeit bin ich am liebsten mit meinen Freunden zusammen, lese, spiele Klarinette, gehe schwimmen und fotografiere, bis mein Akku leer ist. Ich habe letztes Jahr mein Abitur in Bochum gemacht und bin dann aufgebrochen, um ein bisschen was von der Welt zu sehen. Die Tatsache, dass ich alleine Reise war erst Zufall, jetzt aber zu 100% gewollt. Mein erstes Ziel war England. Dort hab ich über die Organisation Wwoof zwei wunderschöne Monate auf zwei Farmen verbracht. Weiter ging es dann über Workaway nach Dänemark und Schweden. In Schweden war ich vier Monate und bin an verschiedene Orte gereist, geplant war einmal von unten nach oben, das hat am Ende aber dann doch nicht so geklappt. Wer nicht weiß was Wwoof und Workaway ist: diese Organisationen ermöglichen die Vermittlung zwischen Host und Freiwilligem. Der Reisende arbeitet dann ein paar Stunden und Tage die Woche und bekommt im Gegenzug freie Kost und Logis.

Mango Verde interviewt im Rahmen der „Als Frau allein in…“ -Reihe allein reisende Frauen in allen Ländern dieser Welt. Du möchtest gern dabei sein und deine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten teilen? Schreibe mir eine Email!

 

Habt ihr Fragen, Anregungen oder eigene Erfahrungen, die ihr gern loswerden würdet? Rein damit in die Kommentare!

 

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