Als Frau allein in Thailand (Chiang Mai & Koh Lanta)

Als Frau allein in Thailand

 

Thailand ist vor allem bei Backpackern und Digitalen Nomaden ein beliebtes Reiseland, weil es günstig ist, fast überall über gutes Internet verfügt und neben tollem Wetter und Essen noch freundliche Menschen, viel Kultur und eine traumhafte Natur zu bieten hat.

Monika Vitzthum von Simsalamedia und Simsalatravel hat im Januar 2016 ihren Rucksack gepackt und ist als Digitale Nomadin auf Zeit zwei Monate als Frau allein durch Thailand gereist. Nach einigen Tagen in Chiang Mai hat sie sich in die kleine Insel Koh Lanta verliebt, wo sie einen Großteil ihrer Zeit verbracht hat. Mango Verde hat Monika im Rahmen der „Als Frau allein in…-Reihe“ ein paar Fragen zu ihren individuellen Reiseerfahrungen in Thailand gestellt.

 

Digital Nomad in Thailand

Digital Nomad in Thailand

1. Warum bist Du ausgerechnet in Chiang Mai / Koh Lanta unterwegs gewesen, wie kam es zu dieser Reisewahl? 

Da ich auf der Reise auch arbeiten wollte, freute ich mich auf Gleichgesinnte, eine gute Arbeitsatmosphäre und das Meer.

In Chiang Mai sowie in Koh Lanta gibt es Coworking Spaces. Deshalb wählte ich diese Ziele. Im Laufe der Reise stellte ich jedoch fest, daß es in Thailand meist überall gutes Internet gibt und so arbeitete ich auch in Cafes, Guesthouses und Hostels. Coworking Spaces besuchte ich sehr selten.

 

 

 

Elefanten in Chiang Mai

Elefanten in Chiang Mai

2. Wie lange warst Du dort und wie bist du gereist (Bus, Bahn, Taxi, privater Fahrer, Flugzeug etc)? 

In Chiang Mai war ich 10 Tage. Der Norden Thailands ist im Januar noch nicht so heiß und ich konnte mich gut akklimatisieren. Ich lernte ein Projekt kennen, in dem Elefanten, die bisher unter anderem im Tourismus arbeiten mußten, wieder zurück in den Regenwald gebracht werden, um dort frei zu leben. Für dieses Projekt konnte ich fotografieren und einen Flyer gestalten.

In Koh Lanta blieb ich „hängen“. Weil diese schöne Insel alles hatte, was ich zu meinem Glück brauchte und relativ günstig war, blieb ich 17 Tage.

Insgesamt war ich zwei Monate unterwegs. Von München nach Bangkok bin ich geflogen. Im Land war ich mit Bus, Taxi, Schiff, Boot, Kloakentaxi, Tuk Tuk, Motorbike, Fahrrad, Flugzeug und zu Fuß unterwegs.

 

3. Wie/wo hast du übernachtet und wie hast du deine Wertsachen gesichert (sowohl nachts als auch tagsüber)? 

Über Booking.com habe ich mir vorab Unterkünfte angeschaut, aber noch nicht gebucht. Vor Ort sah ich mir die Unterkünfte dann persönlich an und entschied, ob ich blieb oder nicht. Obwohl Hochsaison war ist es mir nie passiert, daß kein Platz mehr frei war, oder ich nichts gefunden hätte. Für die Reise hatte ich mir ein Budget von ca. 10 Euro am Tag pro Übernachtung eingeplant. Ich wohnte in Hostels, Guesthouses und auch in einer Hütte am Strand.

Als Sicherheitsoption habe ich mir aus Deutschland das Pacsafe Rucksacknetz mit Schlüssel, eigene Vorhängeschlösser und für das Macbook ein Kensingtonschloß mitgenommen. Bei den meisten Unterkünften gab es einen Safe, den ich mit dem eigenen Vorhängeschloß sicherte. Wenn ich das Gefühl hatte, daß ein Ort unsicher war nahm ich meine Wertsachen mit.

Nachts habe ich im Hostel auch einmal den Tagesrucksack mit den Wertsachen mit in´s Bett genommen, wenn kein Safe zur Verfügung stand.

 

Affe

Rollerbesetzung auf Koh Lanta

4. Gab es Momente oder Situationen, in denen Du dich unsicher/unwohl gefühlt hast und wenn ja, wann und wo? 

In Chiang Mai und Koh Lanta habe ich mich sicher gefühlt. Die einzige Situation die ich als bedrohlich empfand, war als wilde Affen in Koh Lanta meinen Motorroller belagerten und mich einer anfauchte, als ich mit ihm über eine Herausgabe verhandelte.

Eines Nachts war ich in Bangkok auf dem Weg in mein Guesthouse. Es war dunkel und die Gassen waren sehr schmal und menschenleer.

Es überkam mich ein ungutes Gefühl.

Ich kann nicht sagen, ob die Situation wirklich gefährlich war, oder ob ich mich davon beeinflußen ließ, daß ich schon vor der Reise oft gefragt wurde: „Hast Du keine Angst – so ganz allein unterwegs?“.

Bedroht, angegriffen, ausgeraubt oder ähnliches wurde ich jedoch nie.

 

5. Hast du irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wie z. B. ein Selbstverteidigungskurs, besondere Safety Items in deinem Gepäck, Dokumentensicherung etc. und wenn ja, welche? 

Reisepass, Führerschein, internationaler Führerschein, die Kreditkarten, das Flugticket sowie verschlüsselte Daten und Tans hatte ich gescannt und auf einem USB-Stick dabei und zusätzlich online gespeichert.

Ein Freund, dem ich zu 100 % vertraue, hatte Kopien und auch er konnte die Dokumente online sehen.

Selbstverteidigung habe ich noch nie gemacht, meine Stärke liegt eher im Verwirrung stiften. Durch frühere Reisen habe ich – wie ich glaube – jedoch ein gutes Gefühl für Situationen entwickelt. Ein selbstbewußtes Auftreten, gepaart mit Selbstvertrauen, etwas gesundem Menschenverstand, ein paar Informationen über die Orte an denen man sich befindet, Infos über Gebräuche und Sitten und die ungefähre Kenntnis der Preise sind schon ein gewisser Schutz.

Auf Reisen achte ich auch darauf, möglichst nicht auf Märkten, oder wo sich viele Menschen befinden mit großen Scheinen zu bezahlen. Geldabhebungen am Automaten mache ich tagsüber und laße mir große Scheine möglichst schnell wechseln. Wenn man bedenkt, daß es in Thailand für ein Kind 800 Baht Kindergeld gibt, sind 1000 Baht (ca. 25 Euro) als Schein schon eine sehr große Summe.

 

Thailand

Als Frau allein in Thailand

6. Empfindest Du es generell unsicher, als Frau allein durch Thailand zu reisen? Beschreibe deine Erfahrungen und Learnings. 

Thailand ist vielleicht sogar sicherer als Köln oder Ostdeutschland. Die Thais selbst sind Frauen gegenüber höflich, freundlich, und hilfsbereit. Von Ihnen geht in der Regel keine Gefahr aus.

Zu Beginn der Reise hat mir einmal ein Reisender gesagt, ich bräuchte keine Angst zu haben, meine Wertsachen oder das Gepäck bei Thais zu deponieren. Wenn etwas gestohlen wird, dann eher von anderen Reisenden. Ich kann nicht sagen, ob das stimmt, aber ich habe nie andere Erfahrungen gemacht. Möglicherweise hängt das auch mit dem buddhistischen Glauben und dem Glauben an das Karma zusammen.

In Khao Sok wollte ich einmal meine Wertsachen deponieren, doch es gab keinen Safe. Der Junge an der Rezeption sagte mir „I´m the deposit“, und ich vertraute ihm meine Wertsachen an. Ich bekam sie genauso zurück, wie ich sie ihm gegeben hatte.

Manchmal habe ich meinen Rucksack nachdem ich in einer Unterkunft ausgecheckt habe, bis zur Weiterreise in der Agentur gelagert, in der ich das Ticket gekauft habe. Dann mußte ich bis zur Abfahrt nicht mit dem gesamten Gepäck rumlaufen. Das hat immer gut geklappt. Für den Fall, daß ich einmal mißtrauisch gewesen wäre, hätte ich ja immer noch das Rucksackschloß dabei gehabt.

Die Wertsachen habe ich in so einer Situation im Tagesrucksack und Bauchbeutel mitgenommen .

Dadurch, daß ich nur mit Handgepäck in Form eines Osprey 40 l- Rucksacks und einem Tagesrucksack für das Laptop und die Digitale Ausrüstung gereist bin, war ich sehr flexibel. Wie ich es mir vor der Reise schon gedacht hatte, ist weniger auch hier mehr.

Wenig Gepäck zu haben ist auch ein Sicherheitsaspekt, weil man den Ort schnell wechseln kann.

Gelernt habe ich auf jeden Fall, dass Tools, die unabhängig machen, ein guter Schutz sind.

CityMaps2go beispielsweise half mir mich jederzeit und überall zu orientieren. Wenn man eine Offlinekarte des Ortes gespeichert hat, kann man sich überall zurecht finden. Damit vermeidet man schon einmal, den Eindruck zu erwecken, hilflos und orientierungslos zu sein. Das macht Mut sich autark zu bewegen und spontan einfach links oder rechts abzubiegen und dann irgendwo rauszukommen.

Für das Tool braucht man keine Internetverbindung am Smartphone.

 

7. Hast du selbst Gewalt/Belästigungen gegenüber Frauen beobachtet, Einheimische oder Touristinnen? 

Da habe ich nun lange überlegt und kann nichts konkretes nennen. Ich hatte eher den Eindruck, daß thailändische Frauen von westlichen Besuchern belästigt wurden.

 

Koh Lanta

Koh Lanta

8. Was schätzt du ganz besonders an Chiang Mai / Koh Lanta und was findest du ganz furchtbar? 

Chiang Mai ist eine wunderbare Stadt. Es gibt eine Fülle von Märkten, tolles vegetarisches Essen, viele Cafe´s und Restaurants in denen auch digital gearbeitet werden kann. Die Internetverbindung ist meist gut. Die Landschaft um Chiang Mai ist sehr bergig und bei Ausflügen kann man die Seele richtig baumeln lassen. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad ist zentral alles zu erreichen, was man alltäglich braucht und die Lebenshaltungskosten sind niedrig.

Dass man als Reisende immer wieder angesprochen wird – Massage, Madame, Massage ist manchmal schon etwas zuviel. Ich habe jedoch Verständnis für das „Marketing“ in Thailand und konnte die Angebote auch mit einem freundlichen Lächeln ablehnen, wenn ich nicht wollte. Ab und zu habe ich mich jedoch darauf eingelassen, und wurde dafür mit einer entspannten Wellnessstunde belohnt.

In die Insel Koh Lanta habe ich mich verliebt. Sie hatte alles, was ich zu meinem Glück brauchte. Neben Sonne, Strand und Meer, gab es auch hier gutes Internet und leckeres Essen. Nur ca. 50 m vom Meer entfernt wohnte ich in einem Hostel, in dessen Nachbarschaft es nette Bars gab. Einheimische wie Gäste wirkten sehr tiefenentspannt. Der Foodmarket, der jeden Abend in Ban Saladan in der Walking Street stattfindet hat jede Menge leckere und günstige Speisen und Einkaufsmöglichkeiten.

In Koh Lanta bin ich ganze 17 Tage geblieben, weil ich es so nett fand und mich sehr wohl fühlte.

Was ich furchtbar finde?

Beispielsweise Touristinnen die nur mit dem Bikini bekleidet auf dem Motorroller oder der Straße unterwegs sind. Das habe ich bei Thais noch nie gesehen und finde ich respektlos dem Land und den Leuten gegenüber.

Traurig fand ich, daß teilweise Affen an Ketten gehalten werden, oder Elefanten die auf Touristen warten müssen und den ganzen Tag mit wenig Bewegungsfreiheit in der Sonne stehen. Das tat mir im Herzen weh.

9. Welche Tipps würdest Du einer allein reisenden Frau geben, die zum ersten Mal nach Thailand reist? 

Genieße die Zeit!

Ich würde jeder selbstbewußten, weltoffenen, neugierigen Frau raten einmal eine Reise allein zu unternehmen. Thailand ist das optimale Land dafür.

Alleine, frei und autark tun zu können was man will, ist etwas vor dem man nicht Angst haben sollte. Besser ist es einmal ganz auf seine eigene innere Stimme und die Intuition zu hören und sich treiben zu lassen – auch eine außergewöhnliche Selbsterfahrung.

Alleine ist nicht automatisch einsam sondern „mit sich“ und das kann man auch genießen.

Natürlich sollte man ein paar Sicherheitsmaßnahmen treffen und seinen Paß oder Geld nicht offen rumliegen lassen und sich vorab überlegen, wie man reisen möchte und was man zur eigenen Sicherheit mitnimmt, hinterlegt oder zu Hause läßt.

In der Vorbereitung der Reise hatte ich manchmal so etwas wie „Angst vor der eigenen Courage“. Diese Momente habe ich genutzt um mir über die Sicherheit Gedanken zu machen. Damit wurde die Angst zur Mitstreiterin der Freiheit.

Es gibt soviel zu entdecken! Schmecke Dich an einem Obststand einmal durch alle unbekannten Früchte, probiere etwas Neues und lasse Dich auf Unbekanntes ein. Fahre doch einmal spontan mit einem Bus, steig irgendwo aus und schau, was da los ist. Das macht Spaß! Nimm eine Kamera mit und laß Dich auf eine Entdeckungsreise ein. Bleibe offen und lerne ein paar Worte in der Landessprache.

Koh Lanta

Koh Lanta life!

10. Auf einer Skala von 1 (unsicher) bis 5 (sehr sicher) – wie würdest Du Chiang Mai / Koh Lanta einstufen in Punkto Reisesicherheit/Gewalt/Kriminalität gegenüber weiblichen Touristen? Bitte begründe Deine Einschätzung. 

Für Chiang Mai und Koh Lanta würde ich jeweils die Stufe 4-5 vergeben. Aufgrund meiner Erfahrung gibt es für reisende Frauen wenig Gefahren, denen nicht auch Männer ausgesetzt sind, wenn ich beispielsweise an die Fahrt mit dem Klapperbus von Bangkok nach Chiang Mai denke.

Ganz allgemein sollte man bei Fahrten mit individuellen Verkehrsmitteln wie beispielsweise dem TukTuk aufpassen, daß man beim Fahrpreis nicht übervorteilt wird und ganz selbstbewußt darauf bestehen, daß man auch dort hingebracht wird, wo man hin will und nicht zum nächsten Schneider.

Unter den thailändischen Frauen gibt es auch viele selbständige und selbstbewußte Frauen, die alleine Entscheidungen treffen und reisen. Das Frauenbild im Land macht es auch für westliche Frauen leichter sich relativ sicher zu bewegen. Auch deshalb ist Thailand ein gutes Reiseland für Frauen.

 

11. Ich nenne Dir ein paar Schlagworte und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt: 

BangkokMagical Mystery Tour – Bus Nr. 53

Lebensqualität auf Koh LantaDon´t worry – Be happy

Öffentliche ToilettenWestliche Toiletten darf man nicht erwarten, gibt es aber oft

HotpantsWo es angebracht ist

Essen & MagenverstimmungKöstliche asiatische Speisen – Streetfood – Auf dieser Reise hatte ich Glück und es gab keine gesundheitlichen Beschwerden.

 

 

 

Über Monika

Monika Vitzthum

Monika Vitzthum

Mein Freiheitsbedürfnis war schon immer sehr groß und auch meine Neugier auf Unbekanntes gepaart mit einem Schuß Abenteuerlust. Nach einer Beamtenausbildung bei der Post mit der Aussicht auf ein sicheres Leben, riss ich das Ruder herum und lernte Fotografin. Danach richtete ich mein 1. Fotostudio ein, hielt mich mit verschiedenen Jobs über Wasser und reiste immer wieder. Jahre später erweiterte ich in einer Weiterbildung zur IT-Managerin Neue Medien mit dem Schwerpunkt Konzeption und Design meine Fähigkeiten und bin seit 2001 mit www.simsalamedia.de und dem Fotostudio selbständig. Ich liebe es neue Ideen und Konzepte zu entwickeln und zu gestalten. Das gilt für Fotosessions, Internetprojekte, Entwürfe wie Logos oder Corporate Design genauso wie für das Reisen. Was liegt also näher als alles zu kombinieren?

Nicht zuletzt inspiriert durch die DNX 2015 habe ich mir im August 2015 – nachdem ich angemietete Geschäftsräume gekündigt hatte und nicht mehr an Öffnungszeiten gebunden war – ein Ticket nach Thailand gebucht. So machte ich mich Ende Januar 2016 für 2 Monate auf die Reise als „digitale Nomadin“ auf Zeit.

In den ersten Tagen als ich in Bangkok war, startete ich das Projekt „simsalatravel.de“. Darin dokumentierte ich die Reise mit vielen Bildern und Berichten. Glücklicherweise hatte ich in einem sehr netten Guesthouse in Bangkok einen hübschen Innenhof in dem sich herrlich bei gutem Internet (und Wetter) sitzen ließ. Ideale Bedingungen also für den Start in ein digitales Nomadentum auf Zeit. Freunde und Interessierte begleiteten mich virtuell über den Blog.

 

 

Mango Verde interviewt im Rahmen der „Als Frau allein in….“- Reihe allein reisende Frauen in allen Ländern dieser Welt. Du möchtest gern dabei sein und deine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten teilen? Schreibe mir eine Email!

 

Habt ihr Fragen, Anregungen oder eigene Erfahrungen, die ihr gern loswerden würdet? Rein damit in die Kommentare!

 

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