Als Frau allein auf den Philippinen

Als Frau allein auf den Philippinen

 

Einmal mit Walhaien schwimmen – diesen Traum erfüllte sich Melinda (www.polarsteps.com/LindisReisen) auf den Philippinen. Auf welchen der über 7100 Inseln sie war, was für Erfahrungen sie dort gemacht hat, wie sicher sie die Philippinen für allein reisende Frauen empfand und was ihre Empfehlungen sind, lest ihr hier!

 

Philis11. Warum bist Du ausgerechnet auf den Philippinen unterwegs gewesen, wie kam es zu dieser Reisewahl? Auf welcher(n) Insel(n) warst du?

  • Ein großer Kindheitstraum von mir war einmal mit Walhaien zu schwimmen. Diese großen Tiere sind einfach wunderschön und beeindruckend und der Fakt, dass sie einen höchstwahrscheinlich nicht fressen möchten, macht das Schwimmen mit ihnen auch einigermaßen entspannt. Außerdem plante ich gerade meine erste längere Solo-Reise und der Zeitpunkt Anfang 2016 war auch gesetzt. In Mexiko tauchen die Walhaie anscheinend erst Mitte des Jahres auf, die Seychellen waren mir doch etwas zu teuer und in Australien war ich schon – da bin ich auf die Philippinen gestoßen und dachte mir: ein asiatisches Land als Frau alleine könnte super funktionieren, da ich ja schon mal in SOA unterwegs war. Auf welche Inseln ich möchte, habe ich davor ein wenig geplant und zeitabhängig um das Schwimmen mit den Walhaien angeordnet. Das hatte ich nämlich fix für Ende Januar eingeplant und in Donsol schon eine Unterkunft reserviert. Am Ende war ich dann erst auf der Inselregion Luzon, auf Malapascua, Bantayan, auf der Inselregion Negros Oriental, auf der kleinen Insel Apo, auf Siquijor und Bohol und bin dann von Cebu auf den Central Visayas wieder nach Hause geflogen.

2. Wie lange warst Du dort und wie bist du gereist (Bus, Bahn, Taxi, privater Fahrer, Flugzeug etc)?

Ich war knapp 8 Wochen dort und bin hauptsächlich Bus gefahren. Ab und zu natürlich auch mit der Fähre oder kleinen Booten, was bei den vielen Insel Alltag und für die Einheimischen wie Busfahren ist. Das Taxi habe ich in großen Städten manchmal genommen, aber eigentlich funktionieren die öffentlichen Jeepneys und Trycicles auf kurzen Strecken auch ganz gut. Auf Siquijor und Bohol habe ich mir außerdem ein kleines Motorrad gemietet um die beiden Inseln auf eigene Faust erkunden zu können, was eine super Entscheidung war. Auf Inlandsflüge verzichte ich gerne komplett, ich finde in Bussen und auf Schiffen kommt man einfach besser mit Einheimischen ins Gespräch und lernt das wahre Leben in einem Land kennen. Außerdem sieht man mehr vom Land, auch wenn es auf den Philippinen aufgrund der Straßenverhältnisse recht anstrengend im Bus werden kann und hätte ich nur 3 Wochen gehabt, wäre ich mit Sicherheit auch mindestens einmal geflogen

3. Wie/wo hast du übernachtet und wie hast du deine Wertsachen gesichert (sowohl nachts als auch tagsüber)?

Übernachtet habe ich teilweise in Hostels in einem Dorm, teilweise in kleinen Guesthouses im Einzelzimmer, habe mir super tolle Strandbungalows mit anderen Mädels geteilt, die ich unterwegs getroffen habe, und auch in einem Homestay war ich. Die beste Unterkunft war umsonst: ich durfte auf dem Dach eines ausgewanderten Deutschen und seiner philippinischen Freundin übernachten und habe dort 4 Tage am Dorfleben teilgenommen J Ich reise generell mit wenig Wertsachen: eine Kompaktkamera, der man Ihren Wert nicht ansieht und mein iPhone, das schon 3 Jahre auf dem Buckel hat. Die habe ich beim Reisen immer nah bei mir im Tagesrucksack oder der Hosentasche. Im Hostel gibt es für nachts ja meist ein Schließfach (immer eigenes Schloß mitbringen) und wenn ich ein Einzelzimmer hatte, habe ich die Sachen auch mal ganz tief in meinen Backpack gestopft und bis jetzt immer Glück gehabt.

 

Philis64. Gab es Momente oder Situationen, in denen Du dich unsicher/unwohl gefühlt hast und wenn ja, wann und wo?

  • Eigentlich nur ein einziges Mal, als ich alleine mit dem Bus nachts um 4 in Manila angekommen bin. Ich kam gerade aus den Bergen, hatte eine Nachtfahrt von 8 Stunden mit wenig Schlaf hinter mir und wollte eigentlich nur weiterschlafen. Ich hatte mich aber dazu entschieden direkt weiter Richtung Süden zu fahren und wollte nun zu einem anderen Busbahnhof. Die Taxifahrer, von denen für diese Uhrzeit schon reichlich vorhanden waren, stürzten sich auf die Reisenden wie Mosquitoes und binnen 5 Minuten waren auf einmal alle Richtung Flughafen unterwegs und ich stand alleine da. Ich bin dann erst mal zu einer Tankstelle und habe gefragt, wie weite der Busbahnhof entfernt war, zu dem ich wollte. Danach hatte ich wenigstens eine Preisvorstellung und konnte mir einen Tryciclefahrer aussuchen, der mir sympathisch war. Er hat mich sicher zum Bus gebracht und eine Stunde später saß ich im Bus gen Süden.

 

5. Hast du irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wie z.B. ein Selbstverteidigungskurs, besondere Safety Items in deinem Gepäck, Dokumentensicherung etc. und wenn ja, welche?

Ich habe immer eine laminierte Kopie meines Reisepasses bei mir und trage diese separat von dem richtigen Reisepass. Den lasse ich auch immer im Hostel/Zimmer und nehme tagsüber nur die Kopie mit, die reicht auch aus um Busse oder Fähren zu buchen. Kopien aller wichtigen Dokumente, sowie Scans meiner Kreditkarte habe ich außerdem in meiner Dropbox gespeichert und meine Mutter hat diese auch für den Notfall, wenn ich unterwegs bin. Ansonsten vertraue ich mehr auf mein Bauchgefühl und meine Stimmbänder, sollte ich mal angegriffen werden.

 

6. Empfindest Du es generell unsicher, als Frau allein durch die Philippinen zu reisen? Ich glaube, die Philippinen sind eines der besten Länder, um als Frau alleine zu reisen. Ich konnte es am Anfang kaum glauben, wie nett und hilfsbereit die Einheimischen sind. Nach meinen SOA Erfahrungen witterte ich oft einen scam und dachte, sie wollen mir was verkaufen oder einfach nur Geld, nachdem sie mir geholfen hatten. Ich habe bestimmt 2 Wochen gebraucht um mich wirklich zu entspannen und mir einzugestehen: die sind einfach wirklich unglaublich hilfsbereit und niemand wollte auch nur einmal eine Gegenleistung dafür! Von einem Polizisten, der mich mit seinem Roller zum Hostel gefahren hat, weil ich nach dem Weg gefragt hatte, zu einer Dame, die mich zu einer Tryciclefahrt eingeladen hat, um mich abends zu meinem Guesthouse zu begleiten, bis zu einem älteren Herren, der mich beim Trampen mitgenommen hatte und sogar einen Umweg gefahren ist, um mich zu meinem Ziel zu bringen. Sie alle waren einfach nur unglaublich nett und hilfsbereit und wollten rein Garnichts dafür. Und das waren nur ein paar wenige Beispiele für die Freundlichkeiten, die mir begegnet sind.

Davon abgesehen wurde ich nie belästigt, angegriffen, angeflirtet oder dergleichen. Ich wurde immer wahnsinnig respektvoll behandelt und Männer wie Frauen haben mir immer wieder gesagt, wie unglaublich mutig und aufregend sie es finden, dass ich als Frau alleine reise. Eine der meist gestellten auf dieser Reise war daher auch: Where is your companion? Ach ja: und ständig für ein selfie musste ich posieren, aber eigentlich wurde danach immer nett gefragt und nicht wie in Indien einfach das Handy vors Gesicht gehalten und abgedrückt.

 

Philis47. Hast du selbst Gewalt/Belästigungen gegenüber Frauen beobachtet, Einheimische oder Touristinnen?

  • Nein, das habe ich nicht. Philippinos sind aber wie gesagt sehr respektvoll und teilen das asiatische Vorbild des „Gesichtverlierens“. Daher braucht es einiges an Streit oder einigen Alkohol bis sie wirklich mal verbal oder körperlich angreifen. Ich habe das gottseidank nie erlebt.

 

8. Was schätzt du ganz besonders an der philippinischen Kultur und was findest du ganz furchtbar?

  • Ich schätze sehr die Hilfsbereitschaft, die Freude am Leben – mit dem Kleinen zufrieden und glücklich zu sein. Natürlich ist es auch einfach, dass der christliche Glauben verbreitet ist und man sich somit als Frau einfacher bewegen kann, als in anderen asiatischen Ländern. Historisch gesehen ist es natürlich super, dass sehr viele Einheimische sehr gutes Englisch sprechen. Das macht die Konversation, auch über tiefgründige Themen, überhaupt möglich. Ganz furchtbar finde ich wirklich ich nichts. Ich habe mir über diese Frage lange den Kopf zerbrochen, aber mir fällt nichts ein…

 

 9. Welche Tipps würdest Du einer allein reisenden Frau geben, die zum ersten Mal auf die Philippinen reist?

Genieß‘ es – hör‘ auf dein Bauchgefühl, pass auf deine Sachen auf, es gibt sicherlich auch böse Menschen auf den Philippinen, aber lass dich auf die Einheimischen ein! Sie sind wirklich so unglaublich freundlich, dass man es anfangs kaum glauben kann

 

Philis210. Auf einer Skala von 1 (unsicher) bis 5 (sehr sicher) – wie würdest Du die Philippinen einstufen in puncto Reisesicherheit/Gewalt/Kriminalität gegenüber weiblichen Touristen? Bitte begründe Deine Einschätzung.

Ich würde klar eine 5 vergeben. Ich war schon in einigen Ländern und habe mich fast nirgends so sicher gefühlt wie auf den Philippinen. Ich hatte nie Angst ausgeraubt zu werden, wurde nie belästigt und selbst wenn so etwas passiert wäre, wären meiner Meinung nach unglaublich viele Einheimische zur Stelle gewesen, die sich für mich eingesetzt und mir geholfen hätten.
11. Ich nenne Dir ein paar Schlagworte und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt:

Tourismus: Mancherorts schon zu viel, anderenorts noch in den Kinderschuhen, aber im Vergleich zu Thailand und Malaysia noch sehr angenehm.

Öffentliche Toiletten: Ein Loch im Boden, ein Eimer Wasser daneben, eine Tür, wenn man Glück hat.

Tierschutz: Tiere sind auf den Philippinen Nutztiere, aber sie werden meiner Meinung nach gut behandelt. Tierschutz ist aber mit Sicherheit eher ein Fremdwort. Wie die Walhaie in Donsol behandelt werden, finde ich sehr gut und dort kontrolliert auch das WWF den Ablauf. Die Anfütterung der Walhaie in Oslob ist ein weniger gutes Beispiel.

Hotpants: Hat jede Frau dort an, gibt es an jeder Ecke secondhand für 1€ zu kaufen.

Essen & Magenverstimmung: Kann vorkommen, hatte ich einmal, aber nicht vom Essen, sondern vom philippinischen Rum…

 

 

MelindaPhilisÜber Melinda

Mein Name ist Melinda und ich habe nach dem Abitur Tourismusmarketing studiert. Danach bin ich zwar im Marketing gelandet, die Liebe zu exotischen Ländern und das Reisen habe ich aber nie aufgegeben. Nach einzelnen Reisen, die durch Europa, aber auch schon nach Buenos Aires und Sri Lanka gingen, habe ich mich 2010 für 9 Monate auf eine Weltreise begeben: durch SOA, Australien, Neuseeland und Südamerika. Das hat meine Sehnsucht nach fremden Ländern aber noch lange nicht befriedigt und ich bin immer wieder unterwegs. Meine letzte Reise, als Frau alleine durch die Philippinen, kann man sich hier ansehen: https://www.polarsteps.com/LindisReisen/10799-von-inseln-ozeanen-und-walhaien

 

 

 

Mango Verde interviewt im Rahmen der „Als Frau allein in…“ -Reihe allein reisende Frauen in allen Ländern dieser Welt. Du möchtest gern dabei sein und deine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten teilen? Schreibe mir eine Email!

 

Habt ihr Fragen, Anregungen oder eigene Erfahrungen, die ihr gern loswerden würdet? Rein damit in die Kommentare!

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