Mein erstes Mal – 3 Backpackerinnen berichten über ihre erste Solo-Reise

Als Frau alleine die Welt bereisen – viele von uns träumen davon und die Gefühlswelt steht Kopf, wenn es endlich soweit ist und man das Flugticket in der Tasche hat. Einerseits ist man kribbelig vor Vorfreude, Spannung und Erwartung, andererseits ist einem auch leicht mulmig, schließlich macht frau sich das erste Mal ganz allein auf den Weg.

Was wird einen erwarten? Klappt alles wie geplant? Kriege ich das wirklich alles hin?

Mango Verde hat drei versierte Backpackerinnen zu ihren Erfahrungen während ihrer ersten Solo-Reise befragt.

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Carina Herrmann

 

Carina Herrmann ist seit 2013 Dauerreisende und betreibt den erfolgreichen Reiseblog für Frauen Pink Compass

 

 

 
 
 

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Ivana Drobek

 

Ivana Drobek von Weltenbummlerin hat in über 25 Jahren Reisen viel Erfahrung sammeln können und coacht Reiseneulinge.

 

 
 
 

Anja Knorr-happybackpacker.de

Anja Knorr

 

Anja Knorr von happybackpacker reist, taucht und surft seit über 10 Jahren um die Welt und versorgt Fernwehgeplagte mit nützlichen Reisetipps.

 
 

Wie alt warst du, als du das erste Mal alleine verreist bist und wohin ging es?

Carina: Ich war 30 und bin nach Australien und Südostasien gestartet.

Ivana: Das war 1992 und ich war 24. Ich bin damals während der Semesterferien nach Thailand geflogen.

Anja: Ich war 19 Jahre alt und bin direkt nach meinem Abitur nach Frankreich gefahren, um an der Cote d’Azur zu leben und zu arbeiten.

Wie lange warst du unterwegs?

Carina: 14 Monate insgesamt.

Ivana: Ich war gut sieben Wochen in Thailand unterwegs.

Anja: Eigentlich wollte ich ursprünglich nur 3 Monate bleiben, aber daraus sind dann fast anderthalb Jahre geworden, weil es mir so gut gefallen hat.

Warum hast du gerade dieses Reiseziel gewählt?

Carina: Ich wollte endlich raus in die Welt und Australien erschien mir abenteuerlich, exotisch, aber doch westlich genug, nicht vom Kulturschock erschlagen zu werden.

Ivana: Thailand war schon damals ein tolles Einsteigerland für allein reisende Frauen. Es war auch da schon wirklich einfach zu bereisen. Die Thai sind sehr freundlich und hilfsbereit, die Religion ist sehr friedlich. Das hat mich und meine Eltern auch schon ziemlich beruhigt. Zudem bietet Thailand wirklich für jeden etwas: tolle Tempelanlagen, Dschungeltrekking, Traumstrände und mit Bangkok eine aufregende Megacity.

Anja: Ich wollte unbedingt Französisch lernen, weil ich die Sprache so romantisch und sexy fand und dann hat mich das schöne Wetter an der Cote d’Azur angezogen. Azurblaue Strände, schroffe Felsen und viel französisches Je ne sais quoi. Zusätzlich wollte ich es allen zuhause zeigen, dass ich jetzt erwachsen war und es schaffe, weit weg von zuhause alleine für mich zu sorgen. Mit 19 dachte ich noch, ich müsse mir und meinen Eltern etwas beweisen 😉

Kannst du mir eine lustige Anekdote dieser Reise erzählen?

Carina: Meine ersten Tage verbrachte ich in völligem Unglauben darüber wie furchtbar teuer Australien ist. Im Supermarkt stand ich fast weinend vor den Regalen, mit meiner selbst erstellten Umrechentabelle… bis sich herausstellte, dass ich den Währungskurs verdreht hatte. Australien ist teuer, aber ganz so schlimm war es dann doch nicht!

Ivana: Ich war gerade in Thailand angekommen und hatte wenig Lust, direkt nach Bangkok reinzufahren. Ich hatte ein wenig Bammel vor der Riesenstadt. Ich bin in den Zug gestiegen und nach Ayutthaya gefahren. Das ist übrigens auch ein wirklich guter Einstieg für Thailand. Ich war also in diesem Zug und das erste Mal allein unterwegs. Es waren auch keine anderen Touristen da. Mir gegenüber waren zwei Thai, die sich ein Bier teilten. Mit Eiswürfeln. Ich komme aus Bayern und das ist da so ungefähr das Schlimmste, was man mit Bier anstellen kann. Ich glaube, ich habe da ziemlich entsetzt geschaut, was wiederum die Thai nicht verstehen konnten. Aber am Ende haben wir dann alle über mein komisches Gesicht gelacht.

Anja: Meine Eltern haben mich mit dem Auto nach Roquebrune Cap Martin an der Cote d’Azur gebracht. Nach rund 20 Stunden Autofahrt kamen wir in dem kleinen Hotel an, in dem ich für die kommenden drei Monate arbeiten sollte. Den Job hatte ich damals noch ganz altmodisch per Postbewerbung gefunden und hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Als wir ankamen begrüßte uns ein älterer Schmalspurcasanova mit grauen Haaren, roter Hose, rotem Haiwaiihemd, dass bis zum Bauchnabel aufgeknöpft war und diversen Goldketten über seine herausquellenden grauen Brusthaare hängend. Der Hoteleigentümer Mr. Peregrini sah aus wie ein Zuhälter! Meine Eltern und ich waren entsetzt, und die ersten Tage sahen wir uns das Etablissement genau an, um sicherzugehen dass es sich tatsächlich um ein Hotel handelt. Mr Peregrini stellte sich dann als sehr netter Chef heraus, doch der erste Schock saß tief. Schließlich komme ich vom Land und bin gut behütet aufgewachsen.

Gab es eine Situation, in der du richtig Angst hattest? Was ist passiert?

Carina: Toi toi toi, wirklich schlimme Angst hatte ich nie.

Ivana: Ich muss zugeben, so wirklich richtig Angst hatte ich nie, denn ich bin immer sehr vorsichtig. Es gab aber schon die ein oder andere Situation, die mir nicht so ganz geheuer war.

Ich bin einmal in Mexiko in Villahermosa mitten in der Nacht angekommen. Das war noch in den Zeiten vor Internet, Agoda und booking.com, ich hatte also kein Hotel. Ich habe mir eines aus dem Reiseführer gesucht und mir dann zu diesem Hotel ein Taxi genommen. Als ich ausgestiegen bin, ist das Taxi natürlich weitergefahren, nur war das Hotel zu. Da stand ich nun mitten in der Nacht mit Sack und Pack und nur rudimentärsten Spanisch-Kenntnissen. In der Nähe standen auch ein paar Männer um eine brennende Tonne herum, an der sie sich wärmten und riefen mir irgendetwas zu. Sonst war kein Mensch auf der Straße. Da habe ich mich nicht so ganz wohl gefühlt.

Anja:  Angst vor gefährlichen Situationen hatte ich in Frankreich eigentlich nie gehabt, um ehrlich zu sein. Immerhin befand ich mich ja im europäischen Ausland. Allerdings hatte ich fast panische Angst vor dem Neuanfang dort. Ich kannte ja niemanden, war weit weg von zuhause und verstand fast nur Bahnhof, weil Franzosen einfach mal überhaupt keine Fremdsprachen sprechen wollen. Mein Chef im Hotel konnte zwar Deutsch sprechen, war aber der Meinung, da ich mich nun mal in Frankreich befinde, müsse ich eben Französisch sprechen. Das war sehr hart anfangs, aber rückblickend auch wahnsinnig gut für mein Französisch.

Wie hast du diese Situation gelöst und wie bist du im Nachhinein damit umgegangen? Was sind deine Learnings daraus?

Carina:

Ivana: Ich bin einfach losmarschiert und habe ein paar weitere Hotels abgeklappert. Ich hatte auch keine andere Wahl, denn es fuhren auch keine Taxis, überhaupt war die Gegend um diese Uhrzeit ziemlich ausgestorben. Ich bin an den Männern einfach vorbeigelaufen. Vielleicht wollten sie mir auch nur helfen, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich froh war, dass mir keiner nachgelaufen ist. Nach drei oder vier weiteren geschlossenen oder ausgebuchten Hotels habe ich dann das nächste genommen, das ein Bett frei hatte, da war mir der Preis schon egal.

Mein Learning? Ich versuche eigentlich immer bei Tag anzukommen, um nicht in solche Situationen zu geraten. Wenn ich abschätzen kann, dass es spät wird, buche ich online vor. Das ist ja inzwischen kein Problem, aber das war damals eben nicht möglich.

Anja:  Einfach dem Schicksal vertrauen. Nicht zu viel Nachdenken und Sorgen über ungelegte Eier machen sondern dem Leben vertrauen. Dann wird meistens alles gut.

Was waren die fünf schönsten Momente?

Carina:

1. Meine erste Schnorchelei mit einer Meeresschildkröte

2. Im Karinjini National Park zu wandern

3. Meinen ersten Wal beim Scenic Flight über das Great Barrier Reef zu sehen

4. Meine Zeit in Adelaide, in der ich eine unglaublich tolle Gruppe an Freunden gefunden habe

5. Der Moment in dem ich erkannte, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben durch und durch glücklich war – einfach weil mich das Reisen erfüllte

Ivana:  Das ist schwierig, denn auf Reisen gibt so unendlich viele schöne Momente, vor allem, wenn man schon so lange unterwegs ist.

Einer der schönsten Momente war sicher auf meiner letzten Reise, als ich meinen Tauchschein gemacht habe und mit Meeresschildkröten getaucht bin, das war umwerfend.

Als ich das erste Mal nach Indonesien gefahren bin, habe ich eine junge Indonesierin im Bus kennengelernt. Sie hat in Denpasar studiert und mich zu sich nach Hause eingeladen. Ich habe auch ihre Freunde kennengelernt und mit allen eine tolle Zeit gehabt. Das wäre nie passiert, wenn ich nicht allein unterwegs gewesen wäre.

Ein toller Moment war, als ich am frühen Morgen ganz allein im Karnak-Tempel in Luxor/Ägypten die große Säulenhalle ganz für mich allein hatte. Das war ein magischer Moment, an dem die Zeit stehen geblieben zu sein schien, so ganz allein in diesem monumentalen Säulenwald.

Magisch war auch die Nacht in der Weißen Wüste, auch in Ägypten. Es war Vollmond und die blendend weißen Kalkfelsen haben das Mondlicht reflektiert. Das war ganz unwirklich und wunderschön.

Toll war auch, als ich endlich in Peru war und Machu Picchu gesehen habe. Das war schon lange eines meiner Traumziele und ich konnte es kaum glauben, dass ich dann tatsächlich dort war.

Anja: Da gibt es so viele. Das erste Mal in der fremden Stadt spazieren und sich nicht dabei verlieren, weil man mittlerweile den Weg kennt. Anfangen in Französisch zu träumen. Das erste Mal von einer einheimischen Freundin mit nach Hause genommen zu werden und echte Kultur live zu erleben. Jeden Abend nach getaner Arbeit zum Strand zu laufen und den Sand an meinen Füßen zu spüren.

Was rätst Du einer Backpackerin vor ihrer ersten Solo-Reise?

Carina: Gute Recherche und sich nicht von den Stimmen anderer verrückt machen zu lassen!

Ivana:  Sie sollen sich gut informieren, denn das ist schon die halbe Miete. Wenn sie wissen, was die Do´s und Don´ts sind und sich auf die Kultur einstellen, haben sie schon viele Stolpersteine umgangen. Und sie sollten zur Vorbereitung meinen Ratgeber für alleinreisende Frauen lesen, denn da gebe ich Frauen viele Tipps zur Vorbereitung und Durchführung einer Solo-Reise 😉

Anja: Da habe ich einen langen Artikel zu geschrieben: http://www.happybackpacker.de/nuetzliches/1251-tipps-zum-alleinreisen-als-frau.html

 

Wie war denn eure erste Solo-Reise so? Gerne lese ich eure Stories in den Kommentaren!

 

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