Neue Heimat: Ägypten

Selbstbestimmt leben, mutig sein und neue Wege gehen: die Bremerin Viola Saschowa hat 2016 alles hinter sich gelassen und in Ägypten, einem für sie fremden Land mit einer fremden Kultur, ein komplett neues Leben angefangen. Viola ist ein Vorbild in Sachen Mut – auf ihrer Webseite www.violaswig.com hat sie über ein Jahr lang jeden Tag ein kurzes Video über ihr neues Leben in Ägypten gedreht – auf Englisch und alles andere als perfekt. Sie hat sich nicht von ihrem fehlerhaften Englisch und der Angst vor bösen Kommentaren davon abhalten lassen, das zu tun, was ihr Spaß macht und ihrem Herzen zu folgen und genau das macht Viola aus: authentisch, lebensfroh und bereit, Neues zu lernen. Warum Viola ausgerechnet in Ägypten gelandet ist und was sie dazu bewogen hat, als alleinerziehende Mutter in der Mitte ihres Lebens alles hinter sich zu lassen, lest ihr hier:

Viola in der Wüste des Süd-Sinai

Es muss nicht perfekt sein, aber es muss Spaß machen!

In einem Alter, in dem andere mit ihrer Kariere oder im Familienleben durchstarten, löste ich meinen Hausstand auf. Es war das Jahr 2016, als ich mich entschied, alles hinter mir zu lassen und das nachzuholen, wozu ich mit Anfang 20 keine Zeit hatte. Mein Sohn war gerade mit der Schule fertig, als ich ihm mitteilte, dass ich Ende des Jahres ausziehen und für unbestimmte Zeit auf Reisen gehen werde.

 

Mit Minus auf dem Konto ging es los

Während ich mich auf meine Reise vorbereitete, hat mein Sohn sich überlegt, wie er die Wohnung nach meinem Auszug am besten einrichtet und welcher seiner Freunde mein Zimmer bekommt. Die Gefühle von Abschied und Vorfreude machten sich in mir breit und es war eine wahnsinnig aufregende Zeit. Zudem handelte es sich um ein waghalsiges Unterfangen. Meine Finanzen sahen nicht so gut aus, wie es sich für so ein Vorhaben gehörte. Statt mit Ersparnissen machte ich mich mit 2000 € minus auf dem Konto, einer gerade anlaufenden Freelancer-Tätigkeit und einer schlechten Auftragslage auf den Weg.

Es mag nicht klug gewesen sein, aber doch durchdacht. Das Leben in Deutschland bringt hohe Kosten und Verpflichtungen mit sich, die auf einer Langzeitreise wegfielen. Für horrende Mietausgaben, Strom, GEZ, Kosten für Telefon und Internet sowie für die Krankenkasse (eine Reiseversicherung ist günstiger, als die freiwillige Pflichtversicherung) brauchte ich nicht mehr aufzukommen. Generell benötigte ich nicht viel – nur endlich mein persönliches Abenteuer.

Meine erste Etappe war Dahab in Ägypten. Und, wenn ich es vorwegnehmen darf, auch meine Letzte. Doch zwischen meiner ersten Begegnung mit Dahab und meiner endgültigen Entscheidung, dort zu leben lagen noch Italien, Kapstadt und Namibia. Ich bereiste all diese Länder, wie ich es schon mit Ägypten hielt: mit wenig Geld in der Tasche. So hielt ich Augen und Ohren offen, um günstige Wohnmöglichkeiten zu finden, die nie lange auf sich warten ließen. Für meine 8 Wochen in Namibia hatte ich sogar ein ganzes (kleines) Farmhaus auf einer unbewohnten Farm mitten in der Wüste Namib für mich allein – kostenfrei. Auf Umwegen durch eine Freundin bin ich daran gekommen. Ich kannte weder den Mann, der es mir überließ, noch wusste ich, ob es dort Internet geben würde. Es war genau die Art von Abenteuer, nach der ich gesucht hatte. Alles, was ich wusste, war, dass ich, sollte es mir nicht gefallen, wieder fahren kann.

 

Meine Reise in die Dankbarkeit

Die erste Nacht war der Horror. Das kleine Drei-Zimmerhäuschen war voll mit Krabbeltierchen (…und das mit meiner Spinnenangst) und der Strom wurde gegen 22 Uhr abgestellt, da er über eine Solaranlage erzeugt wurde. Außerdem wusste ich nicht, ob auf der etwa 500 Meter entfernten Nachbarfarm jemand wohnte oder ob ich in der Einöde – die nächste Stadt lag 40 Kilometer entfernt – allein war. Ich tat kein Auge zu.

Wie sich am nächsten Tag herausstellte, war die Nachbarfarm eine Gästefarm. Die Leute dort hatten WLAN; auf meiner Farm gab es keins. Da die Farmen in einer Senke lagen, war der Empfang so schlecht, dass auch kein Handy auf das mobile Datennetz zugreifen konnte. Also fragte ich, ob ich täglich kommen könne, um dort zu arbeiten. Selbstverständlich würde ich dafür bezahlen (auch, wenn ich das Geld eigentlich nicht hatte). Doch wie der Zufall es wollte, hatten sie zwei Kinder, die jeden Tag in die 40 Kilometer entfernte Schule gefahren werden und abgeholt werden mussten. Wir vereinbarten, dass ich das ein paar mal die Woche übernehme und dafür umsonst dort arbeiten kann.

Namibia war für mich eine Reise in die Dankbarkeit und damit ins Vertrauen. Denn nachdem meine Auftragslage dort schlechter und schlechter wurde, stand ich vor der Entscheidung, was mein nächster Schritt ist: Zurück nach Deutschland oder meinem Abenteuer noch eine Chance geben und einen Flug nach Dahab buchen? Ich entschied mich für Letzteres mit der festen Absicht, meine Finanzen endlich in den Griff zu bekommen. Außerdem arbeitete ich an meinem Dankbarkeits-Mindset und begann alles, was ich hatte, wertzuschätzen. Ich hatte wenig Aufträge? Dafür jedoch mehr Zeit! Ich hatte Schulden auf dem Konto? Ein Zeichen für meine Kreditwürdigkeit und eine Möglichkeit, mir meinen Traum sofort zu verwirklichen. Ich spürte, wie sich in mir etwas veränderte. Die Anspannung fiel langsam ab und stattdessen kamen tatsächlich Aufträge rein. Voll im Vertrauen flog ich nach Ägypten.

 

 

Dahab, Ägypten – ein Ort an dem sich alles setzen kann

Dahab liegt im Süd-Sinai, Ägypten, und ist ein Ort voller inspirierender Menschen. Was mir am allermeisten dort gefällt, ist, dass so viele unterschiedliche Kulturen harmonisch miteinander zusammenleben. Es mag sich nicht immer mischen, doch ein gegenseitiger Respekt für die Andersartigkeit des Anderen ist gehört dort mit zur Grundstimmung. Außerdem ist Dahab ein Ort, an dem sich viele Digitale Nomaden treffen; Menschen, die mit ihrem Laptop durch die Weltgeschichte reisen und unterwegs Geld verdienen. Der perfekte Ort für mich, um mein Vorhaben zu verwirklichen und mein Konto aus dem roten Bereich zu bringen. Maximal ein Jahr wollte bleiben, um dann zu sehen, wo es mich als nächstes hinverschlägt.

Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Ich habe mich in einen Ägypter verliebt. Eine Partnerkombination, die ich für mich immer ausgeschlossen habe. Nie wollte ich eine Beziehung, die zwei so unterschiedliche Kulturen vereinen musste. Doch es hat mich wirklich erwischt. Und zwar nicht, weil er mir romantische Worte ins Ohr geflüstert hat, sondern weil es ihm nichts ausmachte, mit mir als Beduinin in Schwarz verkleidet (über mein Gesicht trug ich eine Niqab, sodass nur noch die Augen zu sehen waren) in den Alkoholshop zu gehen, um sich für eine anstehende Kostümparty einzudecken. Jemand, bei dem ich so verrückt sein kann, wie ich es manchmal bin, imponierte mir; aus dem Flirt wurde eine ernstzunehmende Romanze.

Nach etwa einem Jahr entschied ich mich, meinen Wohnsitz aus Deutschland ganz abzumelden und in Dahab zu bleiben; nicht zuletzt der Steuern wegen. Als Freelancerin hängt das Business an der Person und wenn diese nicht mehr in Deutschland und an keinem anderen Ort der Welt gemeldet ist, müssen auch keine Steuern abgeführt werden; eine Grauzone, die sich sicherlich in den nächsten Jahren ändern wird. Dank dieser Maßnahme und einer wachsenden Auftragslage entwickelte sich aus meinem bis fast zum Anschlag überzogenen Konto eins, dass schwarze Zahlen listet.

 

Es ist wie zwei Leben in einem

Die Geschichte für sich betrachtet mag sich kühn anhören und mehr von Glück als von Verstand zeugen. Doch ich hatte zu jeder Zeit einen Plan B in der Tasche. Es gab immer ein Sicherheitsnetz. Das ist mir wichtig zu erwähnen, denn die Entscheidung in ein neues Leben aufzubrechen sollte meiner Meinung nach immer gut durchdacht und abgedeckt sein – erst recht, wenn solche Risiken wie ohne Geld auf Reisen zu gehen eingegangen werden. Dadurch aber, dass ich zu jeder Zeit wusste, dass mir nichts wirklich passieren konnte, hatte ich die Möglichkeit, mutig zu sein.

Das Schlimmste, was hätte eintreten können wäre zurück nach Deutschland zu gehen und mir schnell irgendeinen Job zu suchen, der meine Existenz sicherte. Das hätte mir nicht gefallen, machte es mir aber einfacher meinen Träumen zu folgen.

Nun lebe ich seit etwa zwei Jahren in Dahab, bin inzwischen verheiratet und erwarte ein weiteres Kind – Wünsche, die ich bereits vor meinem Aufbruch ins Ungewisse hatte. Mein großer Sohn freut sich auf seine Schwester und wir besuchen uns gegenseitig regelmäßig. Für ihn ist mein Weg das beste Beispiel dafür, dass er derjenige ist, der sein Leben nach seinen Vorstellungen gestalten kann, auch wenn die Umstände vielleicht widrig aussehen mögen. Für mich hingegen scheint es, als würde ich zwei vollständig verschiedene Leben leben. Eines, in dem alles voraussehbar erschien und eines, in dem das Abenteuer lacht.

Ich würde niemandem raten, es so zu tun, wie ich es tat, aber jedem: Folge deinem Herzen und deiner Lust mit Achtsamkeit. Tue, wovon du träumst! Gehe kalkulierbare Risiken ein und erschaffe dir ein Leben nach deinen Vorstellungen!

 

Wenn du mehr über mich und mein neues Leben in Ägypten erfahren möchtest, kannst du mir auf Facebook unter www.facebook.com/ViolasWig oder auf www.violaswig.com folgen. Viele kleine 2-Minuten-Videos stellen inspirierende Menschen vor, zeigen wie das Leben in Dahab ist und weshalb es mir dieser Ort so angetan hat. Mit meinen Videos halte ich es übrigens wie in meinem Leben: Es muss nicht perfekt sein – aber es muss mir Spaß machen!

 

Wenn auch Du ein selbstbestimmtes Leben führen möchtest, lies auch warum Ziele so wichtig sind und wie Du sie erreichst. Außerdem haben wir für Dich ausgewählte Kurse zusammengestellt, die wir allesamt getestet und für gut und nützlich befunden haben – wir sind sicher, dort ist auch für Dich etwas dabei, um noch heute in Dein selbstbestimmtes Leben zu starten!

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